Wirtschaft : Fondsmanager werden Stimmrechte offensiver nutzen Mehr Einfluss nach dem Rückzug der Banken

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Luxemburg (ro). Deutsche Fondsgesellschaften wachsen mehr und mehr in eine verantwortliche Rolle bei Aktiengesellschaften. „Mit dem Verkauf von Beteiligungen und damit dem Rückzug von Banken und Versicherungen ist eine Lücke entstanden. Wer sonst als wir könnte sie füllen“, sagte AxelGünter Benkner, Vorstandssprecher des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI), auf einer Veranstaltung in Luxemburg. Den Fondsgesellschaften komme die Pflicht zu, an wichtiger Stelle mit über das Wohl und Wehe der Firmen und über das Verhalten von Vorständen und Aufsichtsräten zu wachen. Posten in den Kontrollgremien streben die Fondsmanager allerdings nicht an. Dauerhafte Beteiligungen soll es auch nicht geben: Hauptaufgabe von Fonds bleibe es, unterbewertete Aktien zu kaufen und mit Gewinn wieder abzugeben.

Nach Ansicht von Benkner sollen sich die Fondsgesellschaften künftig auf den Hauptversammlungen nicht nur mit Redebeiträgen äußern, sondern ihr Gewicht auch bei den Abstimmungen zur Geltung bringen. Bei manchen Firmen liegt der Anteil von Fonds über der Meldegrenze von fünf Prozent. Beim Anlagenbaukonzern IWKA ist ein Pensionsfonds mit 5,7 Prozent größter Aktionär. Die Fondstochter der Deutschen Bank, die DWS, dürfte an ihrer Muttergesellschaft fast mit einem Prozent-Anteil beteiligt sein. „In die Rolle des Königsmachers allerdings wollen wir nicht hineinrutschen“, sagt Benkner. „Niemand sollte auch erwarten, dass mit uns alles besser wird.“

Kein Anhängsel der Banken

Kritikpunkte müssten in den Augen des BVI-Chefs übertriebene Aktienoptionen für Manager sein oder der Ausschluss von Bezugsrechten etwa bei Wandelanleihen. Angeprangert werden müsste auch eine übermäßige Anzahl von Aufsichtsratsmandaten. Es könne nicht sein, dass ein Vertreter in 20 weiteren Gremien sitze. „Uns kann es mit unserem Engagement jedenfalls nicht darum gehen, wie viele Menüs in der Unternehmenskantine ausgegeben werden."

Benkner erklärt das stärkere Engagement der Fondsgesellschaften auch mit den größeren Freiheiten. „Wir sind nicht mehr Anhängsel der Banken.“ Die Banken hätten das Kreditgeschäft zurückgeführt und die Vermögensverwaltung zu Kernbereichen ausgebaut. Dabei würden wichtige Teile durch die Fondsgesellschaften geführt. „Wir besetzen eine Rolle, die die Börsenabteilungen geräumt haben.“ Die im BVI zusammengeschlossenen Fondsgesellschaften fürchten im übrigen keineswegs Konflikte mit ihren Mutterkonzernen. Benkner etwa, im Hauptberuf Chef der Deutsche Bank-Tochter DWS-Investment, würde im Zweifelsfall auch gegen den eigenen Konzern stimmen. „Wir werden zu 100 Prozent die Interessen des Fonds vertreten. Andere Anweisungen kann und darf es nicht geben. Wir handeln im Interesse der Anleger.“

Eine Bündelung von Aktien verschiedener Fonds soll es nach den Vorstellungen des BVI allerdings nicht geben. Jede einzelne Gesellschaft müsse über ihre Position selbst entscheiden, sagt Benkner.

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