Wirtschaft : Fondsprofis misstrauen deutschen Firmen

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Frankfurt (Main) (tmo/HB). Von den großen deutschen Vermögensverwaltern zählt nur die Deutsche Asset Management zum europäischen Spitzenfeld. Die Anlagespezialisten der Deutschen Bank landen bei der europaweiten Extel-Rangliste auf Platz sechs. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen Abstieg um zwei Ränge. Doch im Vergleich zu den anderen hiesigen Anbietern ist die Deutsche immer noch einsame Spitze: Die Sparkassengruppe Deka kam als nächstbestes heimisches Haus nur auf Rang 30 der Europa-Liste. Andere Adressen wie Allianz Dresdner Asset Management (Platz 38) und die Hypo-Vereinsbank-Tochter Activest (Platz 79) schnitten noch schlechter ab.

Die Deutsche-Bank-Tochter DWS, die primär Publikumsfonds für Privatanleger anbietet, kam auf Platz 30. „Offenbar taucht nur die Deutsche auf dem Radarschirm internationaler Fondsprofis auf“, sagte der Leiter der Umfrage, Steve Kelly. Udo Behrenwaldt, Europa-Chef bei Deutscher Asset Management, erklärte das gute Abschneiden mit der globalen Ausrichtung der Sparte.

In der Kategorie „Finanzkommunikation der Unternehmen“ erhielten deutsche Firmen schlechte Noten. Die Extel-Studie, die am Dienstag in London präsentiert wurde, gilt als wichtigste Messlatte der europäischen Finanzbranche. Sie basiert auf Einschätzungen von 3500 Fondsprofis aus 42 Ländern, die Vermögen von insgesamt 11000 Billionen US-Dollar verwalten.

Danach greifen Fondsprofis am liebsten auf die Analysten der Deutschen Bank zurück, wenn es um deutsche Aktien geht. Wie bereits im Vorjahr gewann das Institut im Bereich Deutschland-Research. Zweiter wurde die Dresdner-Tochter Dresdner Kleinwort Wasserstein vor dem französischen Aufsteiger CAI Cheuvreux. Für die Banken sind die Extel-Resultate wichtig. Denn institutionelle Investoren orientieren sich daran, wenn sie Wertpapieraufträge vergeben.

Wenig schmeichelhaft bewerten die institutionellen Investoren unterdessen die Finanzkommunikation deutscher Konzerne. Zu den zwanzig Besten Europas in Sachen Investor Relations (IR) zählen nur zwei Dax-Titel: Auf Platz elf landete der Softwarekonzern SAP, der Autobauer BMW belegt den dreizehnten Rang. Der Stromversorger RWE und der Chemiekonzern BASF folgen weit abgeschlagen. Diese magere Ausbeute entspricht bei weitem nicht der europaweiten Bedeutung deutscher Firmen. Kelly erklärt, die deutsche Firmenkultur sei besonders angelsächsischen Fonds fremd: „Es existiert eine kulturelle Distanz, die von beiden Seiten überbrückt werden muss.“ Leichter hatten es britische Unternehmen: Sie erhielten überdurchschnittlich gute Noten von den Fondsprofis. Zwar umfasst die Extel-Untersuchung inzwischen internationale Finanzhäuser von Europa über Nordamerika bis Südafrika und Brasilien. „Doch das meiste Geld wird immer noch in London und in den US-Finanzzentren wie New York und Boston verwaltet“, sagt Kelly.

Richard Bassett, Geschäftsführer der internationalen IR-Agentur Smithfield Financial in Frankfurt, meint: „Der Druck auf deutsche Konzerne wächst, transparenter zu werden.“ Bei vielen Dax-Firmen seien bislang nicht einmal die zwei Grundvoraussetzungen für gute IR erfüllt: speziell qualifiziertes Personal, das außerdem die volle Unterstützung des Vorstandes genießen sollte. Bei manchem Konzern diene die IR-Abteilung dazu, „ältere Mitarbeiter mit Arbeitsplätzen zu versorgen“. „Der Trend geht zwar eindeutig hin zu mehr Transparenz“, sagt Bassett. Doch Deutschland drohe von Staaten wie Spanien, Frankreich und Österreich abgehängt zu werden.

So lange die deutschen Konzerne wenig transparent sind, bleiben die Bankanalysten wichtige Vermittler zwischen Firmen und institutionellen Anlegern. Die Finanzprofis trauen laut Extel-Umfrage am ehesten den Deutschbankern zu, die hiesigen Firmen richtig zu bewerten. Die von Andreas Neubauer geleitete Researchabteilung ist in überregionale Branchenteams eingeteilt. So arbeiten 17 Deutschland-Analysten in Frankfurt, mehr als 25 Experten bewerten Dax-Unternehmen von London und Paris aus.

Ein ganz anderes Konzept verfolgt das Brokerhaus CAI Cheuvreux, das zur französischen Gennossenschaftsgruppe Crédit Agricole gehört. „Wir haben europaweit lokale Analystenteams, die ihre Firmen vor Ort beobachten“, sagt der Frankfurter Cheuvreux-Geschäftsführer Loren Campbell. „Lohn“ war der dritte Platz.

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