Wirtschaft : Fondssparpläne: Ohne Stress an die Börse

Elke Dolle-Helms

Zugegeben: Wer heute eine große Geldsumme in einen Aktienfonds investiert, beweist Mut. Ob die Bullen schon bald wieder das Ruder an der Börse in die Hand nehmen, ist seit den Gewinnmitnahmen nach der Zinssenkung in den USA mehr als zweifelhaft. Davon sollten sich Anleger mit langfristigem Sparhorizont jedoch nicht beirren lassen. Die Vergangenheit hat es bewiesen: Für den langfristigen Vermögensaufbau eignet sich kaum eine Geldanlage besser als ein Fondssparplan auf Aktienbasis. Wie die Sparplan-Statistik des Bundesverbands Deutscher Investment-Gesellschaften BVI für Zeiträume zwischen zehn und 35 Jahren zeigt, konnten Anleger durchschnittliche Wertsteigerungen von zehn Prozent und mehr kassieren. Und: Je länger der Sparhorizont, umso geringer sind meist auch die Verlustrisiken. Dafür sorgt der so genannte Cost-Average-Effekt. Je nach Höhe des Anteilspreises erwirbt der Kunde mal mehr mal weniger Fondsanteile. Die Kursausschläge werden so über die Jahre geglättet.

Attraktiv ist die Flexibilität von Fondssparplänen. Sie eignen sich daher besonders für junge Leute, die in den langfristigen Vermögensaufbau einsteigen wollen. Fondssparpläne können jederzeit aufgelöst oder "angezapft" werden, der Kunde kann je nach Geldbeutel unterschiedlich hohe Beiträge einzahlen. Der Einstieg ist jederzeit möglich. Wer den Zinseszins schneller für sich arbeiten lassen will, kann zu Beginn zusätzlich eine größere Einmalzahlung leisten. Fondssparpläne werden in der Regel ab einer monatlichen Mindestrate von 100 Mark angeboten. "Für die Altersvorsorge eignen sich breit streuende Fonds mit einem deutschen, europäischen oder internationalen Anlageschwerpunkt besonders gut", empfiehlt Jörg Richter, Leiter des Instituts für Qualitätssicherung und Prüfung von Finanzdienstleistungen aus Hannover. Zwar können Fondssparer auch regelmäßig in gemischte, Renten- oder Immobilienfonds einzahlen, die Renditechancen der Aktie sind jedoch nicht zu schlagen. Aktienfonds mit risikoreichen Anlageschwerpunkten, etwa in Schwellenländern oder einzelnen Branchen, wiederum sind sinnvoll zur Abrundung eines ausgewogenen Depots. Zum regelmäßigen Sparen für eine zusätzliche private Alterssicherung eignen sie sich jedoch nicht.

Wichtig ist die Möglichkeit, das Vermögen je nach Börsenlage umschichten zu können. Sinnvoll ist es beispielsweise, ein Aktienportefeuille kurz vor dem Ruhestand in schwankungsarme Rentenpapiere zu investieren. Anleger sollten unbedingt auf eine niedrige Kostenbelastung achten. Viele Anbieter gewähren je nach Laufzeit gestaffelte Rabatte auf die Ausgabeaufschläge. Besonders preiswert sind Fondssparpläne bei den Direktbanken. Die Ausgabeaufschläge sind von Anfang an kräftig rabattiert, gleichzeitig entfallen meist Depot- und Switchgebühren.

Noch bequemer, allerdings auch teurer funktioniert das Fondssparen mit gemanagten Sparplänen, die dem Kunden das Umschichten abnehmen. Dazu gehören beispielsweise die AS-Fonds für die Altersvorsorge. Diese Angebote unterscheiden sich zwar im Detail, genügen alle jedoch denselben Rahmenbedingungen. Sie enthalten höchstens 75 Prozent und wenigstens 21 Prozent Aktien. Die Fondsmanager dürfen zu 30 Prozent Immobilienanteile einkaufen. Diese Fonds werden im Rahmen eines Sparplans verkauft, in den der Kunde mindestens 18 Jahre lang oder bis zu seinem 60. Lebensjahr einzahlt. Die Fondsgesellschaften haben auch andere standardisierte Fondssparpläne im Programm. Beispiele sind der "DIT-Vorsorgeplan" oder die "DWS Investmentrente". Angespart wird mit Aktienfonds, um einen raschen Vermögensaufbau zu erreichen. Für den Ablauf der Einzahlphase sehen die Konzepte eine schrittweise Umschichtung in Rentenfonds vor.

Seit der Novelle des "936-Mark-Gesetzes" ist das langfristige Fondssparen für Geringverdiener interessant geworden. Nunmehr gibt es nicht nur den Arbeitgeberzuschuss und staatliche Zuschüsse für Bauspar- und Fondssparverträge, sondern eine neue zusätzliche Prämie von maximal 20 Prozent auf 800 Mark, wenn der Sparer Geld in Fonds anlegt und nicht mehr als 35 000 Mark im Jahr verdient. Darauf haben die Bausparkassen mit neuen Paketprodukten aus Bausparvertrag und Aktienfonds reagiert. Sparer sollten sich von cleveren Vertretern jedoch nicht beirren lassen: Die Offerten lohnen nur, wenn die staatliche Förderung auch voll in Anspruch genommen werden kann.

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