Wirtschaft : Ford AG: Autoproduzent weiter in den roten Zahlen

Die Ford-Werke in Deutschland haben im ersten Halbjahr 2000 wieder rote Zahlen geschrieben. Für die erste Jahreshälfte habe sich ein Verlust vor Steuern von 98 Millionen Mark ergeben, teilte die Ford-Werke AG am Freitag in Köln mit. Im ersten Halbjahr 1999 hatte Ford in Deutschland noch einen Gewinn von 59 Millionen Mark gemacht. Auch für das Gesamtjahr rechnet Ford mit einem operativen Verlust. Ein Grund für die Verluste seien hohe Entwicklungs- und Marketingkosten für neue Produkte, sagte ein Sprecher. Die Entwicklungskosten stiegen um 47 Millionen auf 566 Millionen Mark. Außerdem hätten Sondereffekte wie der Verkauf der Beteiligung am portugiesischen Autoproduzenten Auto Europa an den VW-Konzern im ersten Halbjahr 1999 das Ergebnis vor Steuern von einem Minus ins Plus gezogen. Bereinigt um diese Sondereffekte habe Ford seine Verluste reduziert.

Das Bruttoergebnis - der Umsatz minus Herstellungskosten, aber ohne Sach- und Entwicklungsinvestitionen - erhöhte sich nach Angaben des Unternehmens im Gegensatz zum operativen Ergebnis um 18 Prozent auf 1,3 Milliarden Mark. "Dies ist das Resultat weitgehender Anstrengungen zur Restrukturierung und Kostensenkung in einem schwierigen Umfeld", hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Den Umsatz steigerten die Ford-Werke auf 13,6 (Vorjahresperiode 13,5) Milliarden Mark, obwohl der Absatz mit 512 000 Fahrzeugen um 24 000 zurückging. Dies sei vor allem auf den gestiegenen Verkauf höherwertiger Wagen zurückzuführen. Durch die Ausgliederung des Zulieferergeschäfts sank die Zahl der Beschäftigten um etwa 4400 auf 38 102 Personen.

Stützen des Absatzes waren den Angaben zufolge vor allem der Ford Focus und der neue Ford Transit, in dessen Segment über 20 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum abgesetzt wurden. Während der Inlandsabsatz deutlich zurückging, konnte das Exportgeschäft ein Plus verbuchen. Der Exportabsatz stieg von 361 000 auf 370 000 Autos. Mit einem Anteil von 72 Prozent an den verkauften Fahrzeugen wurde der Vorjahreswert von 66 Prozent klar übertroffen. Der hohe Exportanteil spiegelt die starke Stellung der Ford-Werke AG im europäischen Fertigungsverbund von Ford wider. Die Verkäufe im Inland gingen dagegen von 175 000 im ersten Halbjahr 1999 auf nunmehr 142 000 zurück.

In den USA müssen der Chef des Ford-Konzerns, Jacques Nasser, und der Generalbevollmächtigte von Bridgestone/Firestone, John Lampe, wegen der Rückrufaktion des US-Reifenherstellers Firestone vor dem Handelsausschuss des US-Senats aussagen. Die Top-Manager wurden von dem Ausschuss in Washington am Donnerstag vorgeladen und sollen den Senatoren Auskunft über die Hintergründe der Rückrufaktion geben. Bei der Anhörung sollen auch führende Vertreter von Verbraucherschutzverbänden und der Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA aussagen.

Die Rückrufaktion war erfolgt, nachdem sich Unfälle von mit Firestone-Reifen ausgestatteten Ford-Modellen gehäuft hatten. Die NHTSA untersucht nach eigenem Bekunden Unfälle, die insgesamt 62 Tote und mehr als hundert Verletzte zur Folge hatten. Zudem lägen 750 Verbraucherbeschwerden vor. Ford räumte ein, dass die aus einem Firestone-Werk in Decatur (US-Bundesstaat Illinois) stammenden Reifenserien deutlich pannenanfälliger waren als andere Modelle. Ein früherer Mitarbeiter des betroffenen Werks bezeugte vor Anwälten, die Werksleitung habe Reifen, die von der Qualitätskontrolle aussortiert worden waren, häufig ohne Angaben von Gründen wieder in den Produktionskreislauf zurückgegeben. Die Firestone-Muttergesellschaft Bridgestone in Tokio hat die Rückrufaktion (Belastung mindestens 350 Millionen Dollar) bilanztechnisch bereits für das erste Geschäftsquartal verbucht.

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