Wirtschaft : Ford heizt die Gerüchteküche an

MÜNCHEN / CHICAGO (AP).Schon wenige Tage nach seinem Ausscheiden bei BMW steht der bisherige Entwicklungschef Wolfgang Reitzle offenbar vor einem Wechsel zum Konkurrenten Ford.Während das "Handelsblatt" berichtete, der Vertrag als neuer Ford-Entwicklungschef für Europa sei bereits unterschrieben, meldete "Focus" vorab, Reitzle werde voraussichtlich einer der Stellvertreter von Ford-Chef Jacques Nasser.Der US-Hersteller schloß eine Verpflichtung des deutschen Managers nicht aus.Reitzle sei ein "großartiger Manager", sagte Nasser in Chicago.

Reitzle soll dem Bericht zufolge für die weltweite Entwicklung beim zweitgrößten Autohersteller der Welt die Zuständigkeit erhalten und demnach dem US-Konzern vor allem bei dessen Modellpolitik neue Impulse verleihen.Zu einem möglichen Wechsel von Reitzle zu Ford wollte sich Nasser unter Hinweis auf komplizierte Vertragsverhandlungen zwischen BMW und Reitzle nicht äußern, um dessen Position "nicht zu gefährden".Der mögliche Wechsel nährt wieder Spekulationen über eine Übernahme von BMW durch Ford.Der Ford-Chef betonte jedoch, daß das Unternehmen derzeit nicht mit BMW verhandele."Wenn ein Unternehmen wie BMW erklärt, es wolle unabhängig bleiben, muß man ihm glauben", sagte Nasser.

Die Turbulenzen im Unternehmen deuteten nicht darauf hin, daß BMW seine Meinung geändert habe, sondern resultierten aus den Problemen bei der Tochter Rover.Auf die Frage, ob die britische Regierung an Ford herangetreten sei mit der Bitte, Rover zu retten, sagte Nasser: "Das wäre keine schlechte Idee."

Bereits im Herbst waren Gerüchte aufgetaucht, daß die Familie Quandt als BMW-Großaktionär in Kontakt mit der Ford-Zentrale in Dearburn getreten sei.Für Ford wäre BMW nach der geplanten Übernahme der Volvo-Pkw-Sparte die ideale Ergänzung.Dem US-Hersteller fehlt auf dem europäischen Markt bislang eine starke Marke in der automobilen Oberklasse.Bei einer Übernahme von BMW durch Ford wäre es auch nicht ausgeschlossen, daß Reitzle quasi im dritten Anlauf noch auf den Chefsessel des bayerischen Autobauers wechselt.

Der BMW-Konzern will die Vertriebsnetze von BMW und Rover zusammenfassen und einen neuen Kleinwagen entwickeln.Das sagte der Betriebsratsvorsitzende Manfred Schoch der "Süddeutschen Zeitung".Als Mißverständnis bezeichnete es ein BMW-Sprecher allerdings, daß "selbst ein kleiner BMW zur Diskussion" stehe.Unterhalb der 3er-Reihe sei kein Fahrzeug geplant.Zum Konzern gehörten aber die Marken Mini, MG und Rover, erklärte der Sprecher.

Der Zeitung zufolge sind mehrere Typen eines kleinen Wagens mit Frontantrieb und sechs Litern Verbrauch geplant.Gebaut werden könnten sie im Werk Longbridge in Birmingham, sofern die britische Regierung diese Fabrik subventioniere, oder aber in Ungarn oder den USA.

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