Wirtschaft : Ford: Kölner Werke auf Erholungskurs

wsj/agr

Keine baldige Besserung in Sicht - so lautet die pessimistische Prognose des Chefs des US-Autokonzerns Ford Motor Co., Jacques Nasser. Die schwache Konjunktur als auch die Konkurrenz drücken den Konzern. Nasser signalisierte weitere Entlassungen - zusätzlich zu den bereits angekündigten 5000 Stellen, die im Management wegfallen sollen.

Ford zieht nach Nassers Aussage auf dem nordamerikanischen Heimatmarkt die Schließung von Werken und andere Sparmaßnahmen in Erwägung. Die Branche leide an Überkapazitäten und immer schärferer Konkurrenz aus Asien und Europa. "Aus makroökonomischer Sicht gibt es einfach zu hohe Kapazitäten", sagt Nasser, und fügt - auf seinen Sanierungskurs bei Ford bezogen - hinzu: "Ich bin sicher, dass wir die richtige Balance finden." Er will den zweitgrößten US-Autoproduzenten wieder in ein schlankes Unternehmen verwandeln. In rund zwei Monaten soll die Überprüfung aller Unternehmensbereiche abgeschlossen sein - dann ist auch klar, wo gekürzt wird. 2000 hatte Ford bereits in Europa ein Sanierungsprogramm aufgelegt, Werke geschlossen und die Kapazitäten um ein Zehntel gesenkt.

In Deutschland scheinen diese Sparmaßnahmen bereits zu greifen. Die deutsche Tochter, die Kölner Ford-Werke AG, ist nach Aussage ihres Vorstandschefs Rolf Zimmermann auf dem Weg zurück in die Erfolgsspur. Im ersten Halbjahr 2001 hat Ford den Anteil im deutschen Markt im Pkw-Bereich um 1,3 Prozentpunkte auf 8,5 Prozent gesteigert und das gegen den Markttrend. 1995 hatte der Konzern allerdings noch einen Marktanteil von 11,3 Prozent. Zimmermann will mittelfristig wieder auf zehn Prozent kommen. Verkaufsschlager sei vor allem der neue Ford Mondeo. "Wir haben wieder erfolgreiche Modelle und eine effektive Produktionsauslastung der Werke", kommentierte der Ford-Werke-Chef. Ford will innerhalb von fünf Jahren 45 neue Produkte und Modelle auf den Markt bringen, darunter fast 30 neue Diesel-Fahrzeuge.

Zimmermann ist zuversichtlich, dass die Ford-Werke im Gesamtjahr ein ausgeglichenes operatives Ergebnis erzielen werden - ein ehrgeiziges Ziel angesichts eines Verlusts von 335 Millionen Mark im Vorjahr. Er räumte ein, dass es angesichts der schwierigen konjunkturellen Lage nicht leicht sein werde, den Aufwärtstrend des ersten Halbjahres beizubehalten. Frühestens 2002 sei wieder mit einer moderaten Absatzsteigerung zu rechnen. Obwohl die neuen Sparmaßnahmen des Mutterkonzerns vor allem Nordamerika betreffen, sind die europäischen Töchter noch nicht außer Gefahr.

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