Wirtschaft : Ford: Schwere Vorwürfe gegen den Autohersteller im amerikanischen Kongress

Im Streit um die Verantwortung für eine Serie tödlicher Unfälle in den USA ist der zweitgrößte Autohersteller der Welt, die Ford Motor Company, unter Beschuss geraten. Das Unternehmen, das die Schuld auf gefährliche Reifen von Bridgestone/Firestone schiebt, habe in einer übereilten Rückrufaktion die Reifen des langjährigen Partners teilweise durch Marken ersetzt, die eine noch größere Unfallquote haben, hieß es im US-Kongress. Bei einer achtstündigen Anhörung im Energie- und Handelsausschuss des Repräsentantenhauses stand am Dienstag die einseitige Entscheidung von Ford, 13 Millionen Firestone-Reifen zu ersetzen, im Mittelpunkt. Ford behauptet, die Unfälle seien durch platzende Firestone-Reifen verursacht worden. Firestone hält einen Baufehler bei dem Geländewagen Ford Explorer für ausschlaggebend. Der Explorer war serienmäßig mit den Reifen ausgestattet.

Nach Angaben der Verkehrssicherheitsbehörde sind in den USA in den vergangenen zehn Jahren mindestens 203 Menschen bei Unfällen mit geplatzten Firestone-Reifen ums Leben gekommen. Mehr als 700 wurden verletzt. Die Behörde hat inzwischen 50 Millionen Firestone-Reifen untersucht und will das Ergebnis nächsten Monat bekannt geben. Sie hatte den Reifenhersteller im vergangenen Jahr aufgefordert, 6,5 Millionen Reifen zurückzurufen. Firestone verlangt eine ähnliche Untersuchung des Ford Explorer. Die Behörde prüft den Antrag. Beide Hersteller sind mit zahlreichen Schadensersatzklagen konfrontiert. Am Montag verklagte eine Familie Firestone auf eine Milliarde Dollar. Zwei Familienmitglieder waren bei einem Unfall ums Leben gekommen.

"Gute Reifen durch andere zu ersetzen ist eine Ablenkungstaktik, die die Verbrauchersicherheit nicht erhöht", sagte Firestone-Chef John Lampe vor dem Ausschuss. Die Rückrufaktion, die Ford mehr als zwei Milliarden Dollar kostet, sei vielleicht sehr umfangreich, aber nötig gewesen, um das Vertrauen der Autofahrer zurückzugewinnen, meinte Ford-Konzernchef Jacques Nasser. Eine Million Reifen seien bereits ersetzt worden. Mehrere tausend Ford-Mitarbeiter waren am Dienstag mit Explorern nach Washington gefahren, um Unterstützung für ihren Arbeitgeber zu demonstrieren. "Dies ist ein Reifenproblem, kein Fahrzeugproblem", sagte Nasser mehrfach.

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