Wirtschaft : Ford übernimmt das Steuer bei Volvos Pkw

STOCKHOLM / DETROIT (hst/HB).Im Kampf um Marktanteile in der Autobranche übernimmt Ford die Pkw-Sparte des Volvo-Konzerns für rund elf Mrd.DM.Volvo soll die siebte Automarke des Ford-Konzerns werden.Das schwedische Unternehmen will sich seinerseits auf das Geschäft mit Lkw und Bussen konzentrieren.Der Übernahme müssen noch die Volvo-Aktionäre sowie die Kartellbehörden zustimmen.Nach Angaben aus Unternehmenskreisen war Fiat mit dem Versuch gescheitert, Volvo einschließlich der Nutzfahrzeugsparte zu kaufen.

Die wochenlangen Spekulationen über die Zukunft des schwedischen Autokonzerns Volvo sind beendet:Der US-Hersteller Ford Motor Co., Dearborn, übernimmt von den Schweden die Pkw-Sparte für 50 Mrd.skr (11 Mrd.DM).Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Volvo-Hauptsitz in Göteborg sagten Ford-Präsident Jacques Nasser und Volvo-Chef Leif Johansson gestern, daß die Übernahme die Zukunft von Volvo "langfristig" sichere.Johansson bezeichnete Ford als den "perfekten Partner".Der Kauf der schwedischen Prestigemarke muß noch von den Aktionären der Volvo AB auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 15.März genehmigt werden.

Volvo will sich nach dem Verkauf der Pkw ganz auf die Bereiche Nutzfahrzeuge und Industriemaschinen sowie Schiffs- und Flugzeugmotoren konzentrieren.Bereits vor zwei Wochen hatte sich der schwedische Konzern mit 13 % beim einheimischen Lkw- Konkurrenten Scania eingekauft und eine vollständige Zusammenlegung als Ziel formuliert.

In ersten Kommentaren wurde der Volvo-Kauf von Ford positiv beurteilt.Der schwedische Regierungschef Göran Persson bezeichnete das Geschäft als "gut für Volvo und gut für Schweden".Nach einigen fusionsbedingten Verlagerungen schwedischer Konzernsitze ins Ausland war die Standortdiskussion in dem skandinavischen Land erneut ausgebrochen.Volvo-Aktionäre hielten sich mit zunächst Kommentaren zurück.Man wolle erst alle Einzelheiten abwarten, hieß es.

Mit Volvo erwirbt Ford einen Pkw-Hersteller, der im vergangenen Jahr knapp 400000 Wagen produzierte und damit weltweit zu den kleineren Automobilherstellern gehört.Ford ist nach General Motors (GM) die weltweite Nummer zwei mit knapp sieben Millionen produzierten Einheiten.Beide Auto- Produzenten wollen ein gemeinsames Unternehmen bilden, daß Lizenzen für den Markennamen Volvo vergibt.Das Recht auf Gebrauch des eingeführten Namens soll Ford für Pkw und Geländewagen erhalten, während Volvo die Marke für Nutzfahrzeuge benutzen darf.Der Sitz der Volvo-Pkw-Sparte und die Entwicklungsabteilung sollen in Göteborg bleiben.

Es wurden keine Angaben über einen möglichen Personalabbau gemacht.Erst im vergangenen Herbst hatte Volvo die Streichung von 5 600 Arbeitsplätzen weltweit angekündigt."Volvo ist ein Hersteller von hochwertigen Limousinen mit einem außergewöhnlich gutem Ruf", sagte Ford-Chef Nasser."Das Unternehmen paßt hervorragend zu unseren Produkten." Nasser erklärte, daß sein Konzern im nächsten Jahr rund 700 000 Pkw der Oberklasse verkaufen wolle.Ford hatte in den vergangenen Jahren bereits die Marken Jaguar, Mercury, Lincoln und Aston Martin übernommen und ihnen eine weitgehende Unabhängigkeit vom Mutterkonzern eingeräumt."Mit Volvo haben wir jetzt die besten Luxus-Marken unter einem Dach", sagte Nasser.Die deutsche Automobilindustrie erwartet zunächst keine Auswirkungen.Seiten 2, 14 und 15

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