Wirtschaft : Ford übernimmt offenbar südkoreanische Kia

SEOUL / BERLIN ((dpa/Tsp)).Der US-Autohersteller Ford will offenbar 51 Prozent des südkoreanischen Autobauers Kia Motors übernehmen.Zu diesem Zweck wolle Ford ein Konsortium mit südkoreanischen Banken bilden, berichtete am Freitag die Nachrichtenagentur Yonhap.Eine Konjunkturbelebung scheint unterdessen in Korea nicht in Sicht.Die Wirtschaft, teilte die südkoreanische Zentralbank mit, sei erstmals seit 18 Jahren geschrumpft.Das Bruttoinlandsprodukt fiel im ersten Quartal um 3,8 Prozent.Einen Rückgang hatte es letztmals 1980 gegeben.



Die Nachrichtenagentur Yonhap beruft sich in ihrem Bericht auf Quellen bei Kia und der Regierung.Die Angaben wurden vom Unternehmen zunächst nicht bestätigt.Laut Yonhap will Ford, das zusammen mit Mazda bereits mit 17 Prozent Haupteigner an Kia ist, den drittgrößten koreanischen Autohersteller unter seinem jetzigen Namen weiterführen.Der Plan sei bei einem Besuch des Vizevorsitzenden von Ford, Wayne Booker, vor knapp zwei Wochen in Seoul mit Kia besprochen worden.Südkoreas Branchenführer Hyundai sowie der Branchenneuling Samsung hatten in den Wochen zuvor ihr Interesse an einer Übernahme des heimischen Konkurrenten bekundet.Kia wurde Mitte April auf Antrag seiner Gläubiger unter Zwangsverwaltung gestellt.Kias Hauptgläubiger, die Korea Development Bank (KDB), teilte ihrerseits am Freitag mit, über die Zukunft des insolventen Unternehmens werde voraussichtlich Ende August entschieden.Bis dahin solle Kia ein neues "Überlebenskonzept" vorlegen.

Kia, nach Hyundai und Daewoo der drittgrößte südkoreanische Autohersteller, war bereits im Juli des vergangenen Jahres für zahlungsunfähig erklärt worden.Seitdem gab es unterschiedlichste Sanierungsbemühungen.So erhoffte sich das Management Unterstützung durch den im Dezember zum Präsidenten gewählten Kim Dae-Jung.Unter anderem deshalb, weil Kim aus der gleichen Region stammt, in der auch das Werk der Kia-Tochter Asia Motors angesiedelt ist.Asia Motors umfaßt die Nutzfahrzeugsparte von Kia; für diesen Bereich wurden bislang Daewoo und die schwedische Scania als potentielle Käufer genannt.Für eine Übernahme Kias wurde über Monate auch die Samsung-Gruppe genannt, die sich ein weiteres Geschäftsfeld im Automobilbau aufbauen will.Allerdings trafen diese Pläne auf den Widerstand der etablierten Wettbewerber Hyundai und Daewoo.

Das Scheitern Kias wird im wesentlichen auf drei Faktoren zurückgeführt.Zum einen die Expansion in Randbereichen sowie die breite Diversifizierung auf einige Dutzend Geschäftsfelder; allein das Gruppenunternehmen Kia Steel Co.trug zuletzt etwa zwei Drittel zu den gesamten Kia-Verlusten in Höhe von umgerechnet rund 165 Mill.DM bei.Ferner entzog die Kündigung kurzfristiger Kredite dem Unternehmen die Liquiditätsgrundlage.Erwägungen der Politik, Kredite der staatlichen Korea Development Bank in eine Kapitalbeteilungen umzuwandeln und Kia dann gleichsam als staatlichen Betrieb zu sanieren, blieben ohne Ergebnis.Und schließlich wirkte sich die koreanische Krise selbstverständlich auch auf die Autohersteller aus, deren Inlandsabsatz deutlich einbrach.So hatte Hyundai, im vergangen Jahr mit 1,29 Mill.produzierten Fahrzeugen an zwölfter Stelle der weltweiten Autohersteller, vor wenigen Wochen einen weiteren drastischen Stellenabbau aufgrund der Nachfrageflaute angekündigt.Zwar erhöhte Hyundai im März seine Verkaufszahlen gegenüber Februar um 30 Prozent auf 26 000.Gegenüber dem Vorjahresmonat ergab sich jedoch ein Minus um 50 Prozent bei den Inlandsverkäufen.

Auch die südkoreanische Notenbank führte in ihrem jüngsten Bericht den Konjunktureinbruch nach der Finanzkrise auf den Rückgang des privaten Verbrauchs um 10,3 Prozent und der Investitionen um 40,7 Prozent zurück.Der Trend werde sich fortsetzen."Die zu erwartenden Zusammenbrüche vieler angeschlagener Tochterunternehmen der großen Konzerne sowie der weitere Rückgang der Binnennachfrage werden sich auf die Wirtschaft negativ auswirken", sagte der Statistikexperte der Bank, Lee Seoung Tae.Wirtschaftsexperten in Seoul rechnen damit, daß das von Seoul mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbarte Ziel einer leichten Schrumpfung des BIP um ein bis zwei Prozent im Gesamtjahr nur schwerlich erreicht werden könne.Im vergangenen Jahr war das BIP um 5,5 Prozent gewachsen.

Der Konjunktureinbruch schlägt sich auch im Außenhandel nieder.So stiegen die Exporte im 1.Quartal um 27,3 Prozent, während die Wareneinfuhr wegen des Rückgangs der Inlandsnachfrage um 25,4 Prozent abnahm.Die Industrieprodukton sank um 2,7 Prozent.

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