Wirtschaft : Forderung nach mehr genbehandelten Produkten

BERLIN (fbe).Der Handel muß mehr Produkte aus gentechnisch verändertem Material in die Regale der Geschäfte bringen.Das forderte Christiane Toussaint vom Bund für Lebensmittelkunde, am Dienstag in Berlin.Nur so könne man die Verbraucher an die äußerst umstrittenen Lebensmittel heranführen und sie von dem Nutzen der Technologien überzeugen.Erst wenn der Kunde die Möglichkeit habe, die Produkte auszuprobieren und beispielsweise geschmackliche und gesundheitliche Vorteile zu erkennen, habe man die Chance, ihn von den Vorteilen zu überzeugen.

Zu lange sei die Einführung gentechnisch veränderter Nahrungsmittel nur diskutiert worden, beklagte Toussaint.Dadurch habe man das Vertrauen der Verbraucher verloren.Dies könnten Industrie und Handel nur durch eine umfassende Aufklärung, die dem Verbraucher jedoch neben dem Nutzen auch mögliche Risiken der Biotechnologie vor Augen führen müsse, wiedererlangen, sagten Toussaint, Gerd Spelsberg, Verbraucher Initiative, und Gerhadt Jahreis, Institut für Ernährung und Umwelt.

Die Angst der Verbraucher, daß die umfangreiche Einführung gentechnisch veränderter Lebensmittel eine verminderte Sicherheit auf dem Lebensmittelmarkt nach sich ziehe, sei in dem Maße nicht berechtigt.Ulrich Ehlers vom Robert Koch-Institut Berlin bestätigte, daß gerade die gentechnisch veränderten Produkte besonders gründlich überprüft würden, bevor sie auf den Markt kämen.Die spezielle Kontrolle verleihe den Nahrungsmitteln eine gewisse Sicherheit.Eine 100prozentige Sicherheit könne die Wissenschaft nie garantieren - auch bei unbehandelten Produkten nicht.Ehlers wies darauf hin, daß auch viele nicht gekennzeichnete Nahrungsmittel gentechnisch veränderte Zutaten enthalten.Die Kennzeichnungspflicht bestehe nur, wenn ein neu eingeführtes gentechnisches Produkt im Lebensmittel selbst nachweisbar sei, sagte Toussaint.So müssen Sojamehle oder Maisprodukte gekennzeichnet werden, wenn sie aus gentechnisch veränderten Sorten stammen.Die Pflicht gilt für verpackte und unverpackte Produkte.Es müßten demnach auch Produkte, die im Restaurant auf der Speisekarte stehen, entsprechend deklariert werden.

Im Gegensatz dazu verwertet die Industrie nach Darstellung von Klaus Warzecha, Bundesverband des Deutschen Lebensmitteleinzelhandels, teilweise Farbstoffe von denen sie selbst nicht weiß, daß sie mit gentechnischen Hilfsmitteln hergestellt wurden.Nach seiner Meinung ist die mangelnde Akzeptanz der Produkte darauf zurückzuführen, daß dem Verbraucher der Nutzen der Technologie schwer zu verkaufen sei.Die pharmazeutische Industrie verwende seit geraumer Zeitgentechnisch veränderte Materialien und der Verbraucher akzeptiere das.Der Verbraucher sehe die positiven Auswirkungen auf seine Gesundheit.Ein solches Argument habe sich im Nahrungsmittelbereich bisher nicht durchgesetzt, obwohl die Veränderung bestimmter Produkte durch bestimmte Getreideeiweiße beispielsweise Allergien vorbeugen könne.

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