Formel-1-Prozess : Ex-Banker Gribkowsky hat Gesprächsbedarf

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München - Im Schmiergeldprozess gegen den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky könnte es zu einem Geständnis in letzter Minute kommen. Unmittelbar vor dem geplanten Beginn der Plädoyers am Freitag baten Gribkowskys Verteidiger um ein Gespräch mit dem Staatsanwalt. Der Vorsitzende Richter Peter Noll vertagte daraufhin den Prozess vor dem Münchner Landgericht bis zur kommenden Woche, um das Gespräch zu ermöglichen.

Der Inhalt des Gesprächs sei völlig offen, betonte Oberstaatsanwalt Christoph Rodler. Die Anwälte äußerten sich nicht. Nach Einschätzung einer Gerichtssprecherin könnte die Bitte der Verteidiger aber bedeuten, dass Gribkowsky doch noch ein Geständnis ablegen will. Andere relevante Inhalte seien zu diesem Zeitpunkt des Verfahrens kaum denkbar.

Bislang hatte sich der 54 Jahre alte Exbanker während des knapp acht Monate dauernden Verfahrens nicht zu dem Vorwurf geäußert, 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld von Formel-1- Chef Bernie Ecclestone erhalten zu haben. Ob ein Geständnis jetzt noch viel am Strafmaß ändern würde, ist aber ungewiss. „Der Wert eines Geständnisses sinkt von Tag zu Tag“, sagte die Gerichtssprecherin. Weil Gribkowsky seit seiner Verhaftung schweigt, musste das Gericht an bislang 44 Verhandlungstagen über 40 Zeugen vernehmen. Prominentester Zeuge war Ecclestone selbst. Er sagte, Gribkowsky habe gedroht, ihn bei den britischen Steuerbehörden anzuschwärzen – nur deshalb habe er dem Banker die Millionen gegeben. Die Staatsanwaltschaft geht hingegen davon aus, dass Ecclestone mit den Millionen sicherstellen wollte, dass Gribkowsky den Verkauf der Formel-1-Anteile, die bis 2006 der BayernLB gehörten, nach seinen Wünschen erledigt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Exbanker Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung vor.

Gribkowsky muss sich neben dem Strafprozess auch in einem Zivilverfahren vor dem Landgericht München verantworten: Die BayernLB wirft ihm und weiteren Exvorständen Pflichtverletzungen beim Kauf der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria vor und fordert 200 Millionen Euro Schadenersatz von den acht Ex-Top-Managern. Die Übernahme hatte der Bank Milliardenverluste eingebrockt und sie fast in die Pleite getrieben. dpa

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