Wirtschaft : Forscher fürchten erneute Rezession in USA

Keine Erholung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Amerika – weitere Verluste an den internationalen Börsen

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Berlin (brö). Die Angst vor einer erneuten Rezession in den USA wächst. Neue Daten zur Entwicklung von Konjunktur und Arbeitsmarkt fielen am Donnerstag schlechter aus als erwartet. Auch in Deutschland stieg der Pessimismus, die Maschinenbau-Branche meldete nur ein schwaches Auftragsplus. An den Börsen in Europa und Amerika sorgten die Zahlen für weitere Kursverluste. Besonders aus Versicherungsaktien flüchteten die Anleger, nachdem die Münchner Rückversicherung und die Swiss Re von schlechten Geschäften berichtet hatten.

Schlecht entwickelt hat sich vor allem der amerikanische Arbeitsmarkt in den vergangenen Wochen. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg in der vergangenen Woche auf 403 000, teilte das Arbeitsministerium in Washington mit. Das war der höchste Wert seit knapp zwei Monaten und zeigt, dass die US-Unternehmen weiter Stellen abbauen und die Wirtschaft die Rezession im vergangenen Jahr noch nicht vollständig verdaut hat. In der Vorwoche hatten nur 395 000 Menschen bei den US-Bundesstaaten Unterstützung beantragt. Derzeit liegt die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten bei 5,9 Prozent. Ein schwacher Arbeitsmarkt bremst auch die Kauflust der Verbraucher. Der Konsum trägt zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaftsleistung.

Im zweiten Quartal dieses Jahres ist die US-Wirtschaft hochgerechnet auf das Gesamtjahr nur noch um 1,1 Prozent gewachsen, erklärte das Handelsministerium in Washington. Damit bestätigte die Regierung eine Schätzung von Ende Juli. Zwischen Januar und Ende März dieses Jahres war das Bruttoinlandsprodukt noch um 5,0 Prozent gewachsen. Die Ausgaben der Verbraucher stiegen aktuell nur wenig um 1,9 Prozent nach 3,1 Prozent zu Jahresanfang.

Die weitere Entwicklung der wichtigsten Volkswirtschaft der Welt sehen Experten mit Beunruhigung. „Die Sorge um ein erneutes Abgleiten Amerikas in die Rezession wächst“, sagte Friedrich Heinemann, Ökonom am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW). Ein „Trommelfeuer an schlechten Nachrichten“ verzögere die Erholung der US-Wirtschaft immer weiter. Am Dienstag etwa wurde ein erneut schwächeres Verbrauchervertrauen im August bekannt. „Die Unsicherheit der Unternehmen wächst. Viele überdenken nun ihre Investitionspläne und bauen Stellen ab – das ist Gift für das Wachstum“, fürchtet Heinemann. Hinzu komme das Risiko eines weiter steigenden Ölpreises. Die Wirtschaftsleistung dürfte daher auch im laufenden Quartal nur verhalten wachsen. David Milleker, USA-Experte bei der Allianz Dresdner Group in Frankfurt (Main), erwartet nur ein Plus von 1,5 Prozent.

Das bedeutet auch für Deutschland nichts Gutes, warnt Jörg Beyfuß, Chefvolkswirt des Instiuts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. „Die deutschen Exporte in die USA sind besonders hochwertig und konjunktursensibel. Eine geringere Nachfrage könnte die ohnehin schwache deutsche Wirtschaft hart treffen“, warnte er. ZEW-Experte Heinemann verweist zudem auf die enge Verflechtung der deutschen und der amerikanischen Wirtschaft. „Durch die Aktienmärkte und die steigende Bedeutung multinationaler Unternehmen wird sich eine Krise in den USA sehr schnell hier zu Lande bemerkbar machen und Jobs kosten“, vermutet er. Der deutsche Maschinenbau-Verband VDMA meldete am Donnerstag unterdessen für den Juli nur noch einen Auftragsanstieg um ein Prozent. Im Inland habe es sogar acht Prozent weniger Bestellungen gegeben.

Der Deutsche Aktienindex Dax verlor in Folge der schlechten Nachrichten zwischenzeitlich mehr als zwei Prozent, erholte sich bis zum Handelsschluss aber auf ein Minus von 0,59 Prozent auf 3660,95 Punkte. Die Papiere der Münchener Rück rutschten dabei zeitweise um knapp acht Prozent ab. Der Euro Stoxx 50 gab mehr als zwei Prozent nach, der Neue Markt um 0,7 Prozent auf 498,31 Punkte. Dagegen zeigte sich der Dow Jones mit einem Minus von unter einem Prozent nahezu stabil und die Computerbörse Nasdaq drehte leicht ins Plus. „Wir könnten in den kommenden Monaten an den Börsen die Tiefs vom Juli wieder testen, wenn es noch mehr schlechte Konjunkturdaten gibt“, sagte ein Händler. Ein anderer Börsianer klagte, es gebe daneben zu viele Unsicherheitsfaktoren wie schlechte Unternehmensergebnisse sowie den drohenden Krieg im Irak, verbunden mit steigenden Ölpreisen.

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