Wirtschaft : Forscher: Mehrwertsteuer konsequent erhöhen

GfK-Vorstand empfiehlt Regierung Verlässlichkeit / Konsumklima soll sich noch weiter verbessern

Maren Peters

Berlin - Die Konsumlaune der Verbraucher ist so gut wie seit 2001 nicht mehr – und sie wird nach Einschätzung der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sogar noch auf neue Rekordstände steigen. „Wir werden im Laufe des Jahres einen weiteren Anstieg des Konsumklimas sehen“, sagte Klaus Wübbenhorst, der Vorstandsvorsitzende des größten Marktforschers Europas, dem Tagesspiegel. Der GfK-Chef geht davon aus, dass die Verbraucher die Kauflaune umsetzen und tatsächlich in die Geschäfte gehen und mehr einkaufen. In diesem Jahr sei ein Anstieg des Inlandskonsums um bis zu 0,5 Prozent zu erwarten. „Das wäre nach Jahren des Nullwachstums oder des leichten Minus immerhin ein positives Zeichen.“

Damit scheint sich der Aufschwung in diesem Jahr zu verfestigen. Auch die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hatten in ihrem Frühjahrsgutachten diese Woche ihre Prognose für das Gesamtjahr deutlich nach oben geschraubt. Sie erwarten jetzt ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent, zuvor hatten sie mit 1,2 Prozent gerechnet.

Der GfK-Chef geht davon aus, dass die Deutschen ausreichend Geld für große Anschaffungen auf die hohe Kante gelegt haben. „Es ist genug Geld da“, sagte Wübbenhorst. „Jetzt muss nur noch die Zuversicht hinzukommen, das Geld auch ausgeben zu wollen.“ Die Deutschen gelten als Sparweltmeister. Im vergangenen Jahr sind etwa 160 Milliarden Euro zur Seite gelegt worden – so viel, wie in keinem anderen Land.

Das liegt nach Meinung von Experten vor allem daran, dass die Verbraucher hier zu Lande besonders pessimistisch und ängstlich in die Zukunft blicken. „Wenn die Sparquote von derzeit elf Prozent nur um einen Prozentpunkt sinken würde, bedeutete dies, dass der Konsument zehn Prozent mehr von seinem Ersparten ausgibt“, rechnet Wübbenhorst vor, „dann wären das bei 160 Milliarden Euro 16 Milliarden Euro mehr, die für den Konsum zur Verfügung stehen“.

Das Konsumklima, das die GfK jeden Monat aus Umfragen ermittelt, setzt sich aus drei Faktoren zusammen: der Konsumerwartung, die weiter steigt, der Anschaffungsneigung, die sehr hoch ist, und der Einkommenserwartung, die leicht gesunken ist. „Das ist die Achillesferse“, sagt der GfK-Chef.

Auch darum hält der Marktforscher die von der Regierung geplante Mehrwertsteuererhöhung für falsch. „Die Mehrwertsteuererhöhung ist ein Fehler, das entzieht Kaufkraft“, sagte er. Um einen Einbruch der Konjunktur im kommenden Jahr zu verhindern, forderte er die Politik auf, die dreiprozentige Erhöhung auch wirklich zur Senkung anderer Belastungen einzusetzen. „Die Kosten für die Sozial- und Rentenversicherung müssen gesenkt werden. Wenn das Geld nur zum Stopfen staatlicher Defizite verwendet wird, ist das zu wenig.“

Trotzdem warnte der GfK-Chef davor, die beschlossene Erhöhung der Mehrwertsteuer ganz oder zum Teil zurückzunehmen. „Ich kann der Regierung nicht empfehlen, aus drei Prozent zwei, anderthalb oder null Prozent zu machen“, sagte er. „Das Wackeln wäre viel schlimmer als die Erhöhung als solche.“ Die neue schwarz-rote Regierung genieße noch einen hohen Vertrauensvorschuss, den sie nicht aufs Spiel setzen dürfe. „Der Bürger erwartet Handlungen, keine Talkshows.“

Die ebenfalls von der Regierung geplante Reichensteuer lehnt er dagegen ab. „Ich warne davor, eine neue Steuer für Vermögende einzuführen. Das wäre Gift für die Konjunktur“, sagte Wübbenhorst. Man müsse sehr aufpassen, dass man mit einer solchen Steuer nicht die hart arbeitenden, kreativen, gut situierten Mittelständler treffe, die auch viel konsumierten. „Viele dieser Personen zahlen bereits sehr hohe Steuern. Man kann auch den Vermögenden das Geld nur einmal wegnehmen.“

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