• Forscher senken Wachstumsprognose auf Null Kieler Institut sieht Rezession Brüssel pessimistisch für die EU

Wirtschaft : Forscher senken Wachstumsprognose auf Null Kieler Institut sieht Rezession Brüssel pessimistisch für die EU

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Düsseldorf/Brüssel (ost/HB/dpa). Die gefürchtete „DoubleDip“-Rezession ist da: Deutschland erlebt derzeit den zweiten Konjunktur-Einbruch in kurzer Folge – dies ist die Botschaft des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Im zweiten Quartal 2003 werde das reale Bruttoinlandsprodukt erneut schrumpfen – das wäre das dritte Minus gegenüber dem Vorquartal in Folge. Zuletzt durchlief Deutschland Ende 2001 eine Rezession. Diese pessimistischen Töne aus Kiel sind bemerkenswert, denn bislang zählte das IfW meist zu den Konjunktur-Optimisten.

Das laufende Jahr hat das IfW bereits abgeschrieben. Die Forscher reduzierten die Wachstumsvorhersage von 0,4 auf null Prozent. „Die Perspektiven für eine Erholung in der zweiten Hälfte des laufendenJahres haben sich verschlechtert“, heißt es im aktuellen Konjunktur-Bericht. „Ein Aufschwung ist nicht zu erwarten.“ Auch 2004 bleibe das „Expansionstempo insgesamt gering“. Denn der Höhenflug des Euro verschlechtere die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exporteure.

Das Kieler Institut hat damit die bislang pessimistischste Prognose für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland veröffentlicht. Die Regierung rechnet nach wie vor mit einem Wachstum von 0,75 Prozent. Das gemeinsame Frühjahrsgutachten der sechs großen Wirtschaftsforschungsinstitute hatte zuletzt 0,5 Prozent Wachstum vorhergesagt.

IfW: Risiko einer Deflation gering

Schon derzeit sieht das IfW ein „widriges Umfeld für die Exportkonjunktur“. 2003 dürften die Ausfuhren mit drei Prozent in etwa so steigen wie 2002 (2,9 Prozent), für 2004 rechnet das IfW mit einem Plus von um vier Prozent. In einem Punkt immerhin geben die Kieler Entwarnung: „Mit einer Deflation rechnen wir nach wie vor nicht.“ Kürzlich hatte der Internationale Währungsfonds gewarnt: Das Risiko einer Abwärtsspirale mit dauerhaft fallendem Preisniveau bei sinkender Nachfrage in Deutschland sei hoch.

Der private Verbrauch fällt laut IfW in diesem und im kommenden Jahr als Wachstumsmotor aus – obwohl er im ersten Quartal so stark stieg wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Dies liege aber an Sonderfaktoren, vor allem „außergewöhnlich hohen Heizölkäufen“. Die Arbeitsmarktmisere, die niedrigen Aktienkurse und die gestiegenen Sozialabgaben bremsten die Konsumlust.

Auch Wirtschaft und Verbraucher in Euroland müssen noch auf den ersehnten Aufschwung warten. Im zweiten und dritten Quartal 2003 werde es nur minimale Wachstumsraten von höchstens 0,4 Prozent geben, berichtete die EU-Kommission am Donnerstag in einer Konjunkturprognose für die zwölf Staaten der Gemeinschaftswährung. Im schlechtesten Fall werde die Wirtschaft – wie schon zu Jahresbeginn – stagnieren.

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