Wirtschaft : Forschung zum Anfassen

Was Hochschulen von anderen Weiterbildungsträgern unterscheidet – und für wen ihr Angebot das richtige ist

Regaleweise Wissen. Punkten können Unis vor allem mit ihren Studienprogrammen. Hier winkt den Absolventen in der Regel der begehrte Master-Titel. Foto: ddp
Regaleweise Wissen. Punkten können Unis vor allem mit ihren Studienprogrammen. Hier winkt den Absolventen in der Regel der...Foto: ddp

Von „A“ wie Arbeitsrecht bis „Z“ wie Zeitmanagement: Im riesigen Angebot der Weiterbildungsträger findet man Kurse aus allen erdenklichen Berufsbereichen – lange und kurze, mit und ohne Abschluss. Private Anbieter, staatliche Bildungswerke und Berufsverbände tummeln sich auf dem Markt, nicht zu vergessen große Unternehmen mit eigenen Inhouse-Programmen. Was aber unterscheidet Weiterbildung an einer Universität von all diesen Angeboten? Und ist sie dort besser anderswo?

Nein, meint Andrä Wolter vom Institut für Erziehungswissenschaften der Humboldt Universität Berlin, der sich seit 20 Jahren mit der Rolle der Hochschulen als Einrichtungen lebenslangen Lernens beschäftigt. „In vielen Bereichen sind Hochschulen bei der Weiterbildung gar nicht konkurrenzfähig, weil die Distanz zur Praxis einfach zu groß ist.“ Wenn etwa ein großes Industrieunternehmen spezielle Programme für seine 1000 Ingenieure auflege, die sich genau am betrieblichen Bedarf orientieren, könne eine Uni da nicht mithalten.

Punkten können Hochschulen allerdings in Sachen Abschluss – und zwar vor allem mit Weiterbildungs-Programmen, die als Studium konzipiert sind. „Die schließen in der Regel mit einem ,Master‘ ab, und das gibt es eben wirklich an keiner anderen Institution“, sagt der Bildungsforscher. Und er weist auf einen weiteren Vorteil hin: die Nähe zur Forschung. „Wem das wichtig ist, findet an einer Universität sehr gute Bedingungen vor.“ Allerdings hütet sich Wolter vor Verallgemeinerungen. „Natürlich forscht auch die Industrie, und große Unternehmen können es sich durchaus leisten, gute Wissenschaftler einfach einzukaufen.“ Hier müsse jeder einzelne für sich prüfen, ob unter Umständen der eigene Arbeitgeber selbst der beste Weiterbildner sei.

Während Unternehmen aber immer ihre eigenen Interessen im Blick haben – und auch private Anbieter zusehen müssen, dass Kurse und Kasse voll werden – sind Hochschulen „die Institutionen mit der größten Unabhängigkeit auf dem Weiterbildungsmarkt“, meint Wolter. „Hier steht der kritische Diskurs im Mittelpunkt.“

Ein weiteres Pro-Uni-Argument vieler Kollegen lässt der Lern-Experte allerdings nicht uneingeschränkt gelten. „Mit der Aussage, dass die Qualität der Angebote besser sei, bin ich sehr vorsichtig. Das ist immer eine Frage des Einzelfalls und des Engagements der Beteiligen.“ Inzwischen gebe es zum Beispiel auch sehr gute Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, mit Lehrgängen, die Theorie und Praxis verknüpfen.

Diese Verzahnung muss in Zukunft noch enger werden, meint Franziska Kupfer vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. „Studienangebote für Berufstätige sollten so ausgestaltet sein, dass berufliche Qualifikationen angerechnet werden können, etwa der Meister-Titel oder die Fortbildung zum staatlich geprüften Techniker.“ Dazu gehöre auch, dass qualifizierte Berufstätige unter bestimmten Voraussetzungen ohne Abitur studieren können. „Außerdem gibt es in manchen Bundesländern die Möglichkeit, bei entsprechender Qualifikation auch ohne ersten akademischen Abschluss ein Master-Studium zu belegen“, so Kupfer. „Auch duale Studiengänge machen für Berufstätige viel Sinn, weil sie durch ihre Arbeit ja einen engen Praxisbezug haben.“ Bisher gebe es aber zu wenige solcher Angebote.

Hochschulen zur Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung ermuntern, will auch der Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“, den Bund und Länder jüngst beschlossen haben. Hochschulen mit innovativen Konzepten in diesem Bereich erhalten eine Anschubfinanzierung für den Auf- und Ausbau ihrer Studienangebote. sizo

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