Forschungsgipfel 2016 : Merkel: "Nicht einfach zu sagen, wo wir stehen"

Chancen und Risiken der Digitalisierung: Die Kanzlerin warnt auf dem Berliner Forschungsgipfel vor der Übermacht der Daten-Konzerne und Daimler-Chef Zetsche fordert mehr Mut.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin im Allianz-Forum beim Forschungsgipfel 2016
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin im Allianz-Forum beim Forschungsgipfel 2016Foto: dpa

Auch Angela Merkel kann nicht alles wissen. „Aber ich kenne meist jemanden, den ich fragen kann“, sagte die Bundeskanzlerin am Dienstag beim Forschungsgipfel 2016 in Berlin. Über die Digitalisierung diskutierte die promovierte Physikerin mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Es sollte um die Frage gehen, welche Chancen sich für den Innovationsstandort Deutschland ergeben. Offen räumte Merkel ein: „Es ist im Augenblick nicht einfach zu sagen, wo wir stehen.“ Big Data, Cloud Computing, Datensicherheit – in welchen Bereichen ist Deutschland top? Wo muss Kompetenz eingekauft werden?

Die starke deutsche Industrie, der Mittelstand, das gute Forschungs- und Bildungssystem – alle stehen im Austausch mit Hightech-Konzernen, die etablierte Märkte und Geschäftsmodelle angreifen. „Wir müssen hart arbeiten, um nicht in die Hände von Unternehmen zu gelangen, die sich vor allem mit dem Management von Daten beschäftigen“, warnte Merkel. Nur „schonungslose Analyse“ werde die exportstarke deutsche Wirtschaft voranbringen. Aber: „Die Schlacht ist noch nicht geschlagen“, sagte Merkel.

Gute Zeiten verführen zur Trägheit

Daimler-Chef Dieter Zetsche empfahl „mehr Mut“ bei der Erprobung neuer Entscheidungsprozesse, Geschäftsmodelle und Produkte. „Gerade in Zeiten der digitalen Revolution gilt: Der Weg des geringsten Widerstandes ist oft der gefährlichste.“ In guten Zeiten gebe es die Neigung, alles beim Alten zu lassen und sich auf bestehendem Know-how auszuruhen. „Wir im Vorstand wissen alle ganz gut, wie eine Achse funktioniert“, nannte Zetsche ein Beispiel. „Aber wir sind keine digital natives.“ Jene, die mit digitalen Technologien aufgewachsen sind und daraus Geschäftsmöglichkeiten für einen Autokonzern entwickeln können, beschäftigt Daimler auch in Berlin. Im Kreuzberger Betahaus entwickeln Mitarbeiter aus der Gründerszene seit Herbst 2015 innovative Lösungen für den Van- Bereich von Daimler. Pragmatischer als in den Hierarchien des Großkonzerns.

Pragmatisch ging es auch die Kanzlerin an, als Zetsche sie nach dem rechtlichen Rahmen für autonomes Fahren fragte. Das Kabinett könne sich schon Ende Mai damit befassen, sagte Merkel und forderte den Daimler-Chef auf: „Sagen sie dem VDA (Verband der Automobilindustrie), der soll eine Liste aufschreiben, was sie brauchen – möglichst auf einer Zeitachse verteilt.“

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