Wirtschaft : Fotos im Netz: Achtung Aufnahme: Kodak als Internetanbieter

Laura Johannes,Johann S. Lublin

Die Eastman Kodak Co. ist mit ihren leicht zu bedienenden Kameras und den berühmten gelbverpackten Filmen zu einem weltweiten Markenzeichen geworden. Doch in Zeiten, in denen Bilder schlicht als Daten auf Disketten gespeichert werden, muss auch Kodak um den Anschluss bangen. Seitdem immer mehr Menschen auf filmlose Digitalkameras vertrauen, kämpft der 120-jährige ehrwürdige Fotokonzern so manche Schlacht. Zum Beispiel gegen einen Internetanbieter wie Zing.com, der seinen monatlich zwei Millionen Besuchern im Internet anbietet, alle ihre Bilder digital zu speichern - und zwar kostenlos.

Nachdem Kodak diesen Service über die vergangenen Jahre kostenpflichtig angeboten hatte, musste das Unternehmen jetzt nachziehen und verzichtet auf eine Speichergebühr. Auch bei der Technik unternahm Kodak neue Schritte: So werden preiswertere Digitalkameras angeboten sowie Drucker, die unmittelbar das auf der Kamera Gespeicherte ausgeben können. Vor allem aber wurde Ted Lewis angeheuert, ein allseits bekannter Web-Guru aus Silicon Valley. Er soll dafür sorgen, dass Kodak in Zukunft auf die neuesten Startup-Technologien zurückgreifen kann.

100 Millionen Dollar Wagniskapital

"Hellwache Augen in Silicon Valley - das ist ein Muss für Kodak", meint Technologiechef James Stoffel. Lewis, urspünglich Wissenschaftler und später zum Berater geworden, ist vor allem für seine gnadenlosen Kommentare über Unternehmen bekannt, die das Internetzeitalter verschlafen haben. Seit August 1999 war er für Daimler-Chrysler tätig und beriet den Autohersteller bei Internetstrategie und Investitionen. In der vergangenen Woche wurde er bei Kodak stellvertretender Präsident für das digitale Geschäftsfeld. Er wird hauptsächlich von zu Hause aus arbeiten. Sein Job: Die 100 Millionen Dollar Wagniskapital von Kodak in die richtigen Startups lenken, um bei den neuesten Technologien einzusteigen. Wie wichtig man ihn bei Kodak einschätzt, zeigt sich bereits darin, dass er direkt dem geschäftsführenden Vorstand Daniel Garp untersteht.

Kodak konnte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 14,1 Millionen Dollar verkünden, vor allem aus dem Geschäft mit Filmen und Filmentwicklung. Doch in der Ära der Digitalfotografie bedarf es mehr, um zu überleben. Allein in diesem Jahr, so schätzt man, werden 6,7 Millionen Digitalkameras verkauft - mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Bei Kodak selbst sollen ab dem Jahr 2005 die Hälfte der Umsätze aus dem digitalen Bereich stammen. Hierzu werden 500 Millionen Dollar für Forschungs- und Entwicklungskosten bereit gestellt.

Einige meinen, Kodak habe den Anschluss in bestimmten Schlüsselbereichen bereits verpasst. So setzte der Hersteller noch bis vor kurzem auf den Verkauf hochpreisiger Digitalkameras, während Konkurrenten diese schon für Preise ab 100 Dollar anboten. Auch mit der Einführung preiswerter Drucker war Kodak um Jahre im Hintertreffen. Zudem fehlten dem Unternehmen die richtigen Partner. Die großspurig angekündigte Kooperation mit Intel brachte immerhin eine Bild-CD hervor, die das Speichern hochwertiger Fotos zulässt. Mit stattlichen Preisen von sieben bis zehn Dollar pro Stück war dem Produkt jedoch nur ein äußerst schwacher Start beschert.

Kodaks Online-Präsens wird zwar große Beachtung geschenkt. Doch die beiden Internetseiten brachten es im vergangenen August mit insgesamt 2,5 Millionen Besuchern auf nur wenig mehr Zugriffe als die Seite von Zing.com. Und auch hier wirken die hohen Preise eher abschreckend. Allein das neue Angebot zur kostenlosen Speicherung täuscht nicht darüber hinweg, dass andere Produkte, wie etwa das Digitalisieren herkömmlicher Fotos, bei der Konkurrenz wesentlich preiswerter zu haben sind. Web-Guru Lewis fand lobende Worte für die neuesten Schritte zur Verbesserung des Internetangebots, doch er weiß, dass es damit auf lange Sicht nicht getan ist. Vielmehr müsse Kodak die Entwicklung neuer Technologien vorantreiben und technische Standards vorgeben - ähnlich wie es Microsoft mit dem Betriebssystem Windows gelang. Geht es nach Lewis, soll das Unternehmen in Zukunft Marktführer für solche Digitalkameras werden, mit denen die Bilder drahtlos auf andere Kameras oder über Zwischenstationen ins Internet übertragen werden können. Statt auf Reisen teuere Speicherchips mitzunehmen, könnte dann etwa die Zapfsäule beim Tanken fragen, ob man den vollen Film nicht einfach für 5,99 Dollar im Web speichern will. "Und natürlich will ich das", sagt Lewis.

Kodaks Forschungsbudget für Digitaltechnik sei laut Lewis zwar angemessen, müsse jedoch zeitlich nach Silicon-Valley-Maßstäben zu Produkten führen. Mit dem Etat für Venture-Capital will sich Lewis vor allem auf hoffnungsvolle Unternehmen in einem frühen Stadium konzentrieren. Denkbar ist dann neben Joint-Ventures, dass Anteile gekauft oder ganze Firmen übernommen werden. "Mit Teds Hilfe werden wir bei einer Reihe von Sachen dabei sein, von denen wir noch nicht mal wissen, dass es sie gibt", sagt der Technologiechef James Stoffel.Durch seinen neuen Job hat Lewis zu seinem großen Ärger erst mal seinen Mercedes-Dienstwagen verloren. Dafür kann er an so vielen Digitalkameras herumbasteln, wie es ihm beliebt. Und sein Dreijahresvertrag sichert ihm zu, dass er von seinem Wohnort Monterey County aus arbeiten kann, was besonders wichtig für ihn ist: "Für nichts in der Welt hätte ich Silicon Valley verlassen", sagt der Internetexperte Ted Lewis.

Übersetzt und gekürzt von Birte Heitmann (AOL/Time Warner), Svenja Weidenfeld (Belgien), Maira Meyer (Heidelberger Zement) und Kristina Greene (Kodak).

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