Fotovoltaik : Keine Chance gegen die Chinesen

Trotz Innovationen ging Solarworld auf einem schwierigen Markt die Luft aus. 3300 Arbeitsplätze sind gefährdet.

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Kontrolle der Module in der Solarworld-Fertigung. Was aus dem Unternehmen und seinen Arbeitsplätzen wird, liegt nun in der Hand des Insolvenzverwalters.
Kontrolle der Module in der Solarworld-Fertigung. Was aus dem Unternehmen und seinen Arbeitsplätzen wird, liegt nun in der Hand...Foto: Jan Woitas/dpa

Mit der Insolvenz von Solarworld steht der letzte große Hersteller von Solarpaneelen in Europa vor dem Aus. Der einst als Sonnenkönig titulierte Unternehmensgründer Frank Asbeck sah keine Chance mehr, schwarze Zahlen zu schreiben und die Schulden der Firma zurückzuzahlen. Die Zukunft der 3300 Mitarbeiter im thüringischen Arnstadt, im sächsischen Freiberg und im US-Staat Oregon ist offen. Experten zweifeln, ob sich für Solarworld ein Investor finden wird.

Die Pleite des Unternehmens schiebt Asbeck auf die Konkurrenz aus China. Mit der Industrie-Vereinigung EU ProSun hatte er bei der EU um Anti-Dumping-Zölle auf chinesische Solarmodule gekämpft. Mit Erfolg. Erst im März wurden die Zölle um 18 Monate verlängert.

Doch genutzt hat das wenig: „Die 2013 eingeführten Anti-Dumping-Maßnahmen wurden lange Zeit nur halbherzig kontrolliert“, klagte Milan Nitzschke, Präsident von EU ProSun. „Über 100 Insolvenzen und Werksschließungen mussten wir in der europäischen Solarindustrie seitdem verzeichnen.“ Ursache seien massive Überkapazitäten in China. „Chinesische Staatsbanken haben inzwischen einen dreistelligen Milliardenbetrag in eine Produktionskapazität gesteckt, mit der das Land alleine den weltweiten Bedarf 1,3 Mal decken kann“, sagte Nitzschke.

Höhere Preise bedeuten weniger Installationen von Fotovoltaik

Mitte letzten Jahres habe die chinesische Regierung den Druck nochmals erhöht, als sie die Nachfrage nach Solarprodukten im eigenen Land drosselte. Damals sanken die Einspeisevergütungen für Solarstrom. „Damit wurde die chinesische Überproduktion erneut zu Dumpingpreisen in die internationalen Märkte gelenkt. Dies hat weltweit zu Verlusten und dem Abbau zehntausender Arbeitsplätze geführt“, erläuterte der Präsident der Vereinigung EU ProSun.

Anstatt gegen Dumping zu kämpfen, hätte sich Asbeck für eine aktive Förderung der Solarindustrie und von Forschung und Entwicklung einsetzen sollen. Das meint der Mitautor des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) Hans-Josef Fell. „Solarzölle gegen angebliches chinesisches Dumping haben letztendlich nur zum Niedergang des europäischen Binnenmarktes beigetragen“, meint Fell. Denn höhere Preise bedeuten weniger Installationen von Fotovoltaik.

So ähnlich sieht es der Gegenspieler von EU ProSun innerhalb der Solarbranche, die Solar Alliance for Europe (SAFE). „Die Solarmodulpreise fallen seit Jahren. Durch die Handelsbeschränkungen kommen diese Kostensenkungen in Europa nicht an. In der Folge zahlen Verbraucher und Investoren mehr als nötig“, lautet die Position von SAFE.

"In einem Umfeld fallender Preise ist der Firma die Luft ausgegangen"

„Das Marktumfeld für Fotovoltaik ist extrem schwierig“, sagt dazu Andreas Bett vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg. Schon bei der Fotovoltaikkrise 2011/2012 und noch einmal 2014 seien viele Firmen vom Markt verschwunden. An mangelnder Innovationsfähigkeit habe das nicht gelegen. In dieser Beziehung habe auch Solarworld keine Fehler gemacht, sondern in neue Technologien investiert. „Doch in einem Umfeld fallender Preise ist der Firma schließlich die Luft ausgegangen“, sagte Bett.

Er fände es wünschenswert, wenn die Bundesregierung etwas zur Stärkung des Heimatmarktes tun würde. Zwar ist er nicht dafür, stark in ein Marktgeschehen einzugreifen. Aber: „Wir brauchen sowieso mehr Fotovoltaik für den Klimaschutz.“ Ob das für Solarworld gereicht hätte, sei aber dahingestellt.

Grafik: Tsp/Gitta Pieper-Meier

Der Solarzubau in Deutschland bleibt jedenfalls weit hinter dem erklärten Ziel der Bundesregierung zurück. In der aktuellen Fassung des EEG ist der Ausbaupfad auf 2,5 Gigawatt pro Jahr gedeckelt. Erreicht wurden 2016 nur rund 1,5 Gigawatt. In besten Zeiten betrug der Zubau 7,5 Gigawatt pro Jahr. Um den Energiebedarf in Deutschland im Jahr 2050 überwiegend oder vollständig aus erneuerbaren Energien zu decken, müssten jährlich vier bis fünf Gigawatt zugebaut werden, hat das ISE berechnet.

In China war man da offensiver: „Dort hat man Fabriken gebaut, von denen eine allein Solarpaneele mit einer Leistung von knapp einem Gigawatt pro Jahr herstellen kann“, sagte Jutta Trube vom Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer. Und im vergangenen Jahr habe China 34 Gigawatt Fotovoltaik installiert.

Auch Trube wünscht sich deshalb eine engagiertere Politik für eine Schlüsselindustrie wie die Fotovoltaik. Den solaren Anlagenbauern selbst geht es zwar gut, die Auftragseingänge 2016 lagen um 36 Prozent über denen von 2015. „Aber wir haben im Abkommen von Paris gesagt, dass wir CO2-frei werden. Jetzt gehen die letzten Modulhersteller. Auch auf EU-Ebene müssen wir hinterfragen, ob es so richtig war, was wir tun“, sagte Trube. mit rtr

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