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Founderbus : Schlaflos nach Paris

08.12.2012 00:00 Uhrvon
Unternehmer auf Reisen. Rose Jeantet, Marco Witzmann, Mohamed Chahin und Julian Riedelsheimer basteln am eigenen Start-up. Foto: Thilo RückeisBild vergrößern
Unternehmer auf Reisen. Rose Jeantet, Marco Witzmann, Mohamed Chahin und Julian Riedelsheimer basteln am eigenen Start-up. - Foto: Thilo Rückeis

Aus ganz Europa haben sich junge Menschen auf einen Roadtrip nach Paris begeben – mit dem Ziel, ein Start-up zu gründen.

30 Sekunden hat Marco Witzmann, um die Jury zu überzeugen. Von einer Firmenidee, die es vier Tage zuvor noch gar nicht gab. Marco steht auf der Bühne im Hörsaal der Wirtschaftshochschule ESCP in Paris. Hinter ihm projiziert der Beamer ein lilafarbenes Nilpferd an die Wand, „Lalysays“ steht darüber. So heißt die App, die er mit Julian Riedelsheimer, Rose Jeantet und Mohamed Chahin in den letzten Tagen entwickelt hat. Über die Anwendung für Tablet-Computer sollen Kinder auf spielerische Weise mit ihren Eltern kommunizieren. Es geht um den letzten Platz im Finale der „Europe 2012 Buspreneur Competition“ und damit um die Präsentation ihrer Idee vor Investoren bei LeWeb in Paris, der größten Internetkonferenz Europas.

„Es ist verrückt“, sagt Julian, der auf einem der blauen Klappsessel im Zuschauerraum sitzt und hibbelig mit den Füßen wippt. „Vor drei Tagen hatten wir noch nicht mal eine Idee.“ Hinter ihm und seinem Team liegen 1300 Kilometer im „Founderbus“, mit dem sie von Berlin über Hamburg und Köln nach Paris gefahren sind und unterwegs gelernt haben, wie man ein Start-up gründet. Mit an Board: Gut 600 Dosen Red Bull zum Wachbleiben. Und tatsächlich machen die Teilnehmer während der vier Tage und Nächte kaum ein Auge zu. Wer den Energydrink nicht mag, schluckt Koffeintabletten.

Founderbus, zu Deutsch Gründerbus, ist eine Initiative von dreien, die selbst aus der Start-up-Szene kommen. „Wir wollen Leute zusammenbringen, die gründungswillig sind“, sagt Sebastian Sielmann, einer der Köpfe hinter dem Founderbus. Ein Netzwerktreffen zu organisieren, wo alle nur rumstehen und Kaffee trinken, sei ihm zu langweilig gewesen. „Ein Roadtrip ist viel intensiver.“ Vier Tage im Bus, auf engstem Raum, meist ohne Internet und mit dem Druck, in wenigen Stunden eine Firmenidee präsentieren zu müssen, das schweiße zusammen. Sebastian hat bis vor kurzem bei dem Berliner Inkubator Rocket Internet gearbeitet. Derzeit baut er ein Start-up auf, das im Januar an den Start gehen soll. Der Founderbus, sagt er, sei ein „Herzensprojekt“. Er und die Mitorganisatoren, Fabian-Carlos Guhl und Marko Müller, arbeiten ehrenamtlich, finanziert wird die Reise über Teilnehmerbeiträge und Sponsorengelder.

Im letzten Jahr ist der Gründerbus zum ersten Mal auf Tour gegangen, zehn Tage lang durch Deutschland. Diesmal sind es bereits fünf Busse, die sich auf den Weg machen: Neben Berlin starten Busse mit insgesamt 150 Gründungswilligen in Kopenhagen, Oxford, Toulouse und Barcelona – um in Paris mit ihren Firmenideen gegeneinander anzutreten.

Ihr Trip beginnt an einem verregneten Morgen in Berlin. Julian, Marco, Rose und Mohamed sitzen auf einem gelben Sofa im Hubraum, dem Inkubator der Deutschen Telekom, in Friedrichshain. „Wir waren uns sofort sympathisch und haben gesagt: Wir wollen was zusammen machen. Was, schauen wir jetzt mal“, erzählt Julian, der in München Wirtschaftsinformatik studiert hat. Erst im Frühjahr ist er für ein Praktikum nach Berlin gezogen. Mittlerweile arbeitet er als Trainee bei dem Berliner Start-up Tirendo, das Reifen übers Internet verkauft. Dort will er so viel Erfahrung sammeln wie möglich, um bald seine eigene Firma zu gründen. Warum? „Es klingt kitschig“, antwortet Julian, „aber ich will die Welt im Kleinen ein Stück besser machen.“ Die anderen nicken, Marco zitiert Apple-Gründer Steve Jobs, der einmal gesagt haben soll: „Ich will eine Kerbe ins Universum schlagen.“ Auf dem Roadtrip nach Paris suchen die vier nach ihrer Idee, die die Welt ein Stück besser macht – auch wenn ihnen klar ist, dass sie in vier Tagen kein neues Google oder Twitter erfinden.

Rose, die aus Paris kommt, aber überlegt, nach Berlin zu ziehen, erzählt, wie ihr Vater früher ihr Taschengeld rationiert hat: Die heute 29-Jährige hat es damals nur bekommen, wenn sie ihr Zimmer aufgeräumt oder ihre Hausaufgaben gemacht hat. So kommt das Team auf die Idee einer Taschengeld-App. „Wenn ein Kind etwa den Müll rausbringt, bekommt es Punkte, die später zum Beispiel für ein Spiel eingelöst werden können“, erklärt Marco.

Diese Reihenfolge – erst das Team finden, dann die Idee – sei für Gründer durchaus üblich, sagt Ralph Riecke, der im Hubraum die Start-ups auswählt, in die die Telekom investiert. „Denn das Team ist wichtiger als die Idee.“ Einfälle hätten viele, doch es brauche die richtigen Leute, um sie erfolgreich umzusetzen. Er gibt den Teilnehmern Tipps, wie sie eine Idee Investoren am besten verkaufen. Sie sollen ihr Konzept in einem Satz zusammenfassen und Fragen klären wie: Wie erreiche ich meine Zielgruppe und wie verdiene ich mit meinem Produkt Geld?

Kurz vor Mitternacht in Hamburg. Der Bus aus Kopenhagen ist bereits da. Die Dänen stehen im Eingangsbereich des Hostels und begrüßen gröhlend die Konkurrenz aus Berlin. Einige, darunter auch der 29-jährige Daniel Holm Kristensen, tragen Wikingerhelme aus Plastik, die braunen Hörner ragen aus der Menge heraus. Daniel, der in Kopenhagen bereits ein Start-up für Restaurant-Rabatte leitet, hat vom Gründerbus erst wenige Stunden vor Abfahrt erfahren und sich spontan zum Mitfahren überreden lassen. Julian, Marco, Rose und Mohamed werden sich seinen Namen merken. Denn als er später vor der Gruppe sein Konzept präsentiert, halten sie es erst für einen Scherz: Auch Daniel plant eine Taschengeld-App. „Zwei Dumme, ein Gedanke“, meint er und lacht. Bis zum Halbfinale schmeißen die vier aus dem deutschen Bus ihr Konzept deshalb noch einmal komplett um. Aus der Taschengeld-App wird eine Anwendung, über die Eltern und Kinder spielerisch kommunizieren können. Aus der Ferne sollen die Eltern den Kindern lustige Aufgaben stellen – zum Beispiel: Ziehe so viele Pullover wie möglich übereinander an! Davon macht das Kind dann ein Foto, das mit der Familie über die Tablet-Anwendung geteilt wird.

Noch während die anderen Teams im Hörsaal der ESCP in Paris ihre Konzepte präsentieren, tippen Rose und Julian in ihre Laptops. Sie arbeiten am Prototypen ihrer App. Wenn in zwei Stunden bei Microsoft das Finale stattfindet, wollen sie was vorzeigen können. Doch so weit kommt es nicht. Nur ein deutsches Team qualifiziert sich für die Präsentation bei Microsoft. Und es ist nicht „Lalysays“. Julian, Marco, Rose und Mohamed versuchen, sich die Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. „Es geht nicht nur ums Gewinnen“, sagt Julian. Vor allem habe er in den vier Tagen im Bus viele neue Freunde gewonnen. Ein eigenes Start-up will er noch immer gründen. Vielleicht sogar mit Marco, Rose und Mohamed. Es könnte „Lalysays“ heißen und ein lilafarbenes Nilpferd als Maskottchen haben.

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