Fragwürdige Zahlungen : Neue Schmiergelder bei Siemens entdeckt

Angeblich sollen mehr als eine Milliarde Euro geflossen sein. Auch in der Kraftwerkssparte gab es offenbar schwarze Kassen und fragwürdige Zahlungen.

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Offene Fragen: Der Schmiergeldskandal bei Siemens wirft weiterhin viele Fragen auf. -Foto: ddp

München - Die Korruptionsaffäre bei Siemens könnte noch viel größere Ausmaße haben als bislang bekannt. Ermittler einer vom Konzern beauftragten US-Kanzlei sind laut einem Medienbericht auf fragwürdige Zahlungen von insgesamt weit mehr als einer Milliarde Euro gestoßen. Siemens selbst hat die Zahlungen bisher auf 420 Euro beziffert.

Allein in der Kommunikationssparte seien dubiose Transfers von fast 900 Millionen Euro entdeckt worden, die bis Anfang der 90er Jahre zurückreichten, berichtet nun die „Süddeutschen Zeitung“. „Es geht um riesige Summen“, heiße es in der Konzernspitze. Die neuen Erkenntnisse seien „schockierend“. Offiziell will sich Siemens nicht zu den neuen Zahlen äußern. „Zwischenstände der internen Untersuchungen über die Quartalsveröffentlichungen hinaus kommentieren wir nicht“, sagte ein Sprecher.

Nach Informationen aus dem Unternehmen stießen die Anwälte der Kanzlei Debevoise & Plimpton auch in der Kraftwerksparte auf dubiose Zahlungen von 250 bis 300 Millionen Euro. Auch hier gehen die Transaktionen angeblich bis in die 90er Jahre zurück. Die Prüfer seien auf eine Vielzahl unerklärlicher Transfers über Liechtenstein und andere ausländische Konten gestoßen, darunter in Abu Dhabi, heißt es unter Berufung auf das Umfeld der Ermittler. Es spreche einiges dafür, dass es dabei nicht um saubere Geschäfte gegangen sei, auch wenn nicht alle Zahlungen automatisch Schmiergeld sein müssten.

Bisher gab es keine konkreten Hinweise, dass neben der Kommunikationssparte Com auch die Kraftwerkssparte Power Generation (PG) in großem Stil schwarze Kassen gehabt haben könnte. Auch der „Spiegel“ berichtet nun aber, dass bereits im Jahr 2005 im Kraftwerksbereich fragwürdige Zahlungen von fast 190 Millionen Euro über Liechtenstein entdeckt worden seien. Diese Summe sei laut Konzerndokumenten zwischen 1997 und 1999 über drei Konten geflossen. Die Antikorruptionsabteilung der Sparte habe bereits 2005 eine Erlanger Anwaltskanzlei beauftragt, die Zahlungen zu untersuchen. Bis heute sei unklar, wofür sie letzten Endes verwendet worden seien. Ein Siemens-Sprecher wollte die Angaben nicht bestätigen.

In seinem jüngsten Quartalsbericht hatte Siemens geschrieben, dass neben den Untersuchungen bei der Com-Sparte nun auch „Barzahlungen bei anderen Bereichen“ geprüft würden. Dabei sei ein Zahlungsvolumen identifiziert worden, für das „nur begrenzte Dokumentation“ verfügbar sei. Ein deutlicher Zahlungsumfang sei über ein Bankkonto in Liechtenstein abgewickelt worden. „Dass es sich dabei um PG handelt, kann ich nicht bestätigen“, sagte ein Konzernsprecher.

Siemens hatte sich vor einigen Tagen von seinem langjährigen obersten Korruptionsermittler Albrecht Schäfer getrennt. Nähere Angaben zu den Hintergründen der ordentlichen Kündigung machte Siemens nicht. Gerüchte gab es aber schon länger. Medienberichten zufolge gab es Vorwürfe aus dem Aufsichtsrat, Schäfer habe in einem Bericht über den Schmiergeldskandal bei dem Elektrokonzern im Dezember 2006 nicht umfassend genug ausgesagt und ein beschönigendes Bild von den Vorgängen vermittelt. dpa/Tsp

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