Wirtschaft : France Télécom attackiert Mobilcom

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Der Streit zwischen Mobilcom und France Télécom um die Finanzierung des UMTS-Aufbaus spitzt sich weiter zu. Er könnte die Existenz des deutschen Unternehmens gefährden. Die Franzosen verlangen zum einen Klarheit über den Kauf von Mobilcom-Aktien durch Sybille Schmid-Sindram, die Ehefrau des Mobilcom-Chefs Gerhard Schmid. Zum anderen gebe es fundamentale Differenzen über die Interpretation des Rahmenvertrages zwischen beiden Unternehmen, teilte France Télécom am Donnerstag in Paris mit. Sollte Mobilcom der Interpretation von France Télécom nicht folgen, werde das Unternehmen die Gerichte einschalten.

Allzu gut scheint die Kommunikation zwischen beiden Parteien tatsächlich nicht zu sein. Fast zeitgleich zur Mitteilung von France Télécom sagte Mobilcom-Chef Schmid im Nachrichtensender n-tv, die Zusammenarbeit mit France Télécom laufe reibungslos. "Ich weiß nicht, wo da im Moment das Problem sein könnte", sagte Schmid.

Das Problem ist, dass beide Parteien sich über den Inhalt des im Jahr 2000 geschlossenen Rahmenvertrags nicht einig sind. Damals erwarb France Télécom einen Anteil von 28,5 Prozent an dem Büdelsdorfer Unternehmen. Ziel der Partnerschaft: eine Lizenz für die neue Multimedia-Mobilfunktechnik UMTS zu ersteigern und im Anschluss das Netz und das Geschäft aufzubauen. Ab November 2003 hat France Télécom dann eine Option, die Mehrheit der Mobilcom-Anteile von Schmid zu erwerben. Schmid hält noch 40 Prozent an dem von ihm gegründeten Unternehmen.

Nach Auffassung von Mobilcom ist France Télécom vertraglich verpflichtet, das Unternehmen "mit allen finanziellen Mitteln zum Erwerb der UMTS-Lizenz sowie zusätzlich mit einem Betrag von maximal zehn Milliarden Euro für den Zeitraum 2000 bis 2010 für die Bereitstellung der Dienstleistungen" auszustatten. France Télécom steht jedoch auf dem Standpunkt, keinerlei finanzielle Verpflichtungen zu haben, so lange man sich über den Geschäftsplan nicht einig sei. Mobilcom will den UMTS-Aufbau schnell vorantreiben. Die mit 65 Milliarden Euro verschuldete France Télécom drängt auf möglichst geringe UMTS-Investitionen in den Jahren 2002 und 2003. "Wir bestimmen selbst, wie wir unser Geschäft betreiben", sagt ein Mobilcom-Sprecher. "Auch ein Großaktionär hat nicht das Recht sich da einzumischen."

Zweiter Streitpunkt: Schmids Ehefrau Sybille Schmid-Sindram hat im vergangenen Jahr Mobilcom-Aktien gekauft. Sie hält nach Auskunft des Unternehmens knapp über fünf Prozent des Kapitals. France Télécom zweifelt daran, dass sie das Aktienpaket rechtmäßig erworben hat. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" vermuten die Franzosen, dass Mobilcom den Aktienkauf finanziert hat. Das weist Mobilcom jedoch zurück. Bis spätestens zum 7. März will France Télécom Klarheit durch ein unabhängiges Gutachten. Mobilcom stellte am Donnerstag ein Aktienoptionsprogramm im Volumen von bis zu 3,6 Millionen Aktien für Händler und Vertriebspartner vor. Diese Aktienoptionen seien über die Millenium GmbH abgesichert, die unter alleiniger Kontrolle von Sybille Schmid-Sindram stehe, teilte Mobilcom mit.

Analysten zufolge will France Télécom nun mit der Untersuchung des Aktienkaufs erreichen, dass der Kaufvertrag für den im Jahr 2000 erworbenen Mobilcom-Anteil für nichtig erklärt wird. "Das wäre das Ende von Mobilcom", sagt Analyst Hans Huff von der Bankgesellschaft Berlin. Damit wäre dann nämlich kein Geld mehr für das UMTS-Geschäft da. "France Télécom will schnell und billig an die Mehrheit bei Mobilcom kommen", sagt Huff. Der nun öffentlich ausgetragene Streit bringe die Franzosen diesem Ziel näher. Er verunsichere die Anleger und auch die Kunden von Mobilcom. Und hat katastrophale Folgen für den Aktienkurs: Der Kurs von Mobilcom gab am Donnerstag zum dritten Mal in Folge zeitweise um mehr als zehn Prozent nach. Bis zum Nachmittag verlor das Papier am Neuen Markt 5,6 Prozent auf 11,90 Euro.

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