Wirtschaft : France-Télécom-Chef vor der Ablösung

Der Airbus-Chef soll der Nachfolger von Michel Bon werden / Entscheidung im Mobilcom-Streit am 12. September

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Berlin (vis). Nach Telekom-Chef Ron Sommer steht offenbar ein weiterer Vorstandschef eines großen europäischen Telekommunikationsunternehmens vor der Ablösung. Französische Zeitungen berichten, dass die Pariser Regierung intensiv mit einem möglichen Nachfolger für France-Télécom-Chef Michel Bon verhandelt. Eng verbunden mit dem Schicksal von Michel Bon ist auch die Zukunft des deutschen Mobilfunkanbieters Mobilcom.

Als Kandidat für die Nachfolge Bons wird der Chef des Flugzeugbauers Airbus, Noël Forgeard, genannt. Airbus dementierte zwar umgehend: Forgeard habe bereits mehrmals gesagt, dass er nicht die Absicht habe, Airbus zu verlassen. Und auch von France Télécom wurden die Gerüchte zurückgewiesen. Vor Ron Sommers Rücktritt hatte es allerdings ebensolche Dementis von allen Seiten gegeben – bevor er am 16. Juli zurücktrat.

„France Télécom befindet sich in einer deutlich schwierigeren Situation als die Deutsche Telekom“, sagt ein Frankfurter Analyst. Für die Ablösung Bons gebe es also wesentlich mehr Gründe als bei Sommer. Im Wesentlichen ist das die hohe Verschuldung des französischen Konzerns von rund 70 Milliarden Euro. Zudem sei France Télécom deutlich höhere Risiken eingegangen als die Deutsche Telekom. Das Engagement beim deutschen Mobilfunkanbieter Mobilcom ist nur ein Beispiel. Der Staat hält noch 54 Prozent der Anteile an France Télécom. „Und die Regierung braucht einen Mann an der Spitze, der das Vertrauen des Kapitalmarktes genießt, die Restrukturierung zu schaffen“, sagt der Telekom-Analyst. Am 22. August stand die France-Télécom-Aktie noch bei 16,50 Euro. Um 20 Uhr notierte das Papier in Paris bei 10,92 Euro.

Auf dem Spiel steht auch die Zukunft von Mobilcom. Weil darüber immer noch keine Klarheit herrscht, haben die Franzosen ihre Verwaltungsratssitzung auf den 12. September verschoben. Dann sollen die verschiedenen Optionen für Mobilcom auf dem Tisch liegen und eine Entscheidung fallen. Bisher halten die Franzosen 28,5 Prozent an dem deutschen Unternehmen.

Es gibt zwei Alternativen: Entweder ziehen sich die Franzosen zurück, dann steht Mobilcom vor dem Aus. Ohne die finanzielle Unterstützung von France Télécom kann der Mobilfunkanbieter nicht überleben. Allerdings riskieren die Franzosen damit einen jahrelangen Rechtsstreit. Mobilcom-Gründer, Ex-Vorstandschef und Hauptaktionär Gerhard Schmid könnte die Franzosen auf Einhaltung ihrer Verpflichtungen gegenüber Mobilcom verklagen. Am Ende des Rechtsstreits könnte France Télécom dann doch gezwungen sein, die Mobilcom-Schulden von sieben Milliarden Euro zu übernehmen.

Die zweite Alternative ist der Kauf der restlichen Mobilcom-Anteile. Damit wäre Mobilcom vorerst gerettet, für die Franzosen würde der bisher so unglückliche Ausflug nach Deutschland weitergehen. Dann stehen weitere Milliarden-Investitionen in den Aufbau des neuen UMTS-Mobilfunknetzes an. „Ohne UMTS werden die Franzosen nicht in der Lage sein, ihre Investitionen in Deutschland wieder zu verdienen“, sagt ein Frankfurter Analyst. Schmid und seine Frau, die etwa 50 Prozent der Mobilcom-Anteile halten, sind bereit zu verkaufen. Allerdings wird noch über den Preis gestritten.

Vor dem Frankfurter Landgericht klagt Schmid bereits gegen die Franzosen. Nach seiner Ansicht ist France Télécom verpflichtet, eine für den Konfliktfall vereinbarte Verkaufsoption von seiner Seite zu akzeptieren. Eine weitere Klage will er in Kürze beim Oberlandesgericht in Frankfurt (Main) einreichen: Demnach habe France Télécom mit seiner Abberufung als Vorstandschef bereits die Kontrolle über Mobilcom übernommen und sei nun verpflichtet, nicht nur ihm, sondern auch allen anderen Aktionären ein Übernahmeangebot zu unterbreiten.

Bisher hielt Bon an seinem Mobilcom-Engagement fest. Französische Zeitungen berichten nun, er wolle Mobilcom jetzt loswerden, um den Schuldenabbau voranzubringen. Dagegen dränge das Finanzministerium darauf, Mobilcom zu übernehmen, damit France Télécom langfristig im deutschen Mobilfunkmarkt vertreten sei. Spätestens am 12. September wird die Entscheidung fallen.

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