France Telecom : Konzernvize muss nach Suizidserie zurücktreten

24 Mitarbeiter der France Telecom haben sich seit Anfang 2008 umgebracht. Nun hat der Konzern seine Sparpläne gestoppt. Zudem ersetzte die Führung den Vizechef - die Regierung stärkt damit ihren Einfluss.

Nach einer Serie von Selbstmorden unter der Mitarbeiterschaft muss der Vizechef des französischen Telekommunikationskonzerns France Telekom seinen Posten räumen: Louis-Pierre Wenes werde mit sofortiger Wirkung durch Stephane Richard ersetzt, der nun das Frankreich-Geschäft leiten solle, teilte der Konzern mit. Zudem stoppe die Führung die Restrukturierungsmaßnahmen bis Ende des Jahres. Wenes habe selbst um seine Ablösung gebeten, hieß es.

Seit Anfang 2008 hatten beim drittgrößten europäischen Telekommunikationsunternehmen den Gewerkschaften zufolge 24 Mitarbeiter Selbstmord begangen, und 13 weitere Mitarbeiter versucht, sich das Leben zu nehmen. Der Sparkurs des Unternehmens sowie Jobverlagerungen sollen die Auslöser gewesen sein.

Wenes galt als Urheber dieser Maßnahmen, die von Gewerkschaften als Ursache einer zunehmenden Belastung der Mitarbeiter gesehen werden. Vor Kurzem hatte Wenes für heftige Kritik gesorgt, als er in einem Interview sagte, die Selbstmorde beträfen nur eine Handvoll Leute, die nicht flexibel gewesen seien.

Die Gewerkschaften riefen für diese Woche zu einem zweitägigen Streik auf, um gegen die Arbeitsbedingungen bei France Telecom zu protestieren. Sie forderten ein Ende aller Restrukturierungsmaßnahmen und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen durch zusätzliches Personal.

Analysten warnen indes, dass solche Schritte die Sparziele des Unternehmens gefährden könnten. Der Konzern will seine Kosten bis 2011 um 1,7 Milliarden Euro senken.

Die Ernennung Richards, der früher ein Spitzenamt als Wirtschaftsminister innehatte, könnte darauf hindeuten, dass die Regierung künftig eine aktivere Rolle bei France Telecom spielen will. Der Staat ist mit einer Beteiligung von 27 Prozent immer noch größter Anteilseigner des ehemaligen Staatskonzerns.

Richard gilt auch als Anwärter auf den Chefposten bei France Telecom. Vergangene Woche forderten einige Gewerkschaftsführer und linke politische Parteien bereits den Rücktritt von Konzernchef Didier Lombard, nachdem sich ein Unternehmensmitarbeiter von einer Brücke gestürzt hatte. Die Regierung sprach Lombard jedoch ihr volles Vertrauen aus.
 

Quelle: ZEIT ONLINE, Reuters

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