Wirtschaft : France Télécomohne Perspektive

Liquiditätskrise zwingt

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Paris (cn/HB). Der Befreiungsschlag ging nach hinten los: Mit dem Fallenlassen der deutschen Mobilcom hat France Télécom zwar eine monatelange Hängepartie beendet - wie der französische Telekomkonzern der drohenden Liquiditätskrise entkommen will, ist aber ebenso unklar wie die Nachfolge von Konzernchef Michel Bon.

Die französische Regierung – mit 55,4 Prozent Hauptaktionär – muss jetzt handeln. Ohne eine Kapitalspritze aus der Steuerkasse droht dem Unternehmen 2003 die Zahlungsunfähigkeit, wenn die Rückzahlung von 15 Millionen Euro Schulden ansteht. Das Paradox: Das operative Geschäft floriert, aber die Schulden drohen den Konzern aufzufressen. Ende Juni hatte das Unternehmen Verbindlichkeiten von 69,7 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis wuchs um 17,3 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro; nach Sonderabschreibungen von 11,1 Milliarden Euro fuhr France Télécom jedoch einen Rekordverlust von 12,2 Milliarden Euro ein.

Wegen der hohen Verluste und zermürbt vom Kampf mit seinem Hauptaktionär, dessen Rückendeckung er verloren hat, ist Konzernchef Bon zurückgetreten. Finanzminister Francis Mer ließ wissen, die Regierung werde „das Eigenkapital von France Télécom substanziell aufstocken". Auf welchem Wege, ließ er offen. In der Regierung wächst der Widerstand gegen eine Kapitalerhöhung von bis zu 15 Milliarden Euro. Ein Gesetz verbietet dem Staat, seine Mehrheit an dem Ex-Telekom-Monopolisten abzugeben. Deshalb würde eine Kapitalerhöhung den Fiskus 7,5 Milliarden Euro kosten – und das Staatsdefizit in diesem Jahr wohl über die im Maastrichter Vertrag vorgeschriebene Grenze von drei Prozent treiben. Aus diesem Grunde drängt das Finanzministerium, die Kapitalerhöhung bis Januar zu verschieben.

Wer Bon nachfolgt, ist weiter offen. Als Wunschkandidat der Regierung gilt Thierry Breton, der Chef des Elektronikkonzerns Thomson Multimédia. Dass Breton bereits zugesagt habe, dementierten sowohl das Ministerium als auch Breton – möglicherweise pokert der 47-Jährige. Denn mit 279116 Euro Jahresgehalt ist der Télécom-Chef der am schlechtesten bezahlte Boss im Club der Unternehmen aus dem Börsenindex CAC 40. Bei Thomson verdient Breton das Fünffache.

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