Wirtschaft : France Télékom muss kräftig sparen

Der überschuldete Konzern kann mit Unterstützung des französischen Finanzministers rechnen

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Paris (abo/HB). Mit drakonischen Sparmaßnahmen will der neue Vorstandschef die überschuldete France Télécom vor dem Zusammenbruch bewahren. Thierry Breton kann auf die Unterstützung des Finanzministers Francis Mer sowie des Aufsichtsrates für die Neuordnung des Konzerns rechnen. Diese wird sich nach Informationen aus dem Unternehmen über einen längeren Zeitraum erstrecken als bisher angenommen.

Schon vor der Aufsichtsratssitzung waren am Mittwoch zentrale Details von Bretons Sanierungsplänen bekannt geworden. Allerdings lehnte es France Télécom ab, dazu Stellung zu nehmen, bevor die Kontrolleure des Konzerns den Plan am späten Abend auf den Tisch bekamen.

In einem ersten Schritt wird France Télécom demnach noch vor Jahresende neun Milliarden Euro Vorschuss auf die Kapitalerhöhung bekommen, die nicht vor dem Frühjahr 2003 realisierbar ist. Das Geld kommt von einer Vorschaltgesellschaft, bei der Finanzminister Mer die 54 Prozent des Staates in Treuhandschaft gibt. Die Gesellschaft beleiht das Paket mit neun Milliarden Euro bei der öffentlichen Caisse des Dèpôts et Consignations (CDC). Mit den neun Milliarden Euro und mit eigenen Mitteln kann France Télécom in Kürze seine jährlich rückzahl und erneuerbaren Kreditlinien bedienen. Sie umfassen 15 Milliarden Euro. Anfang des Jahres wird France Télécom dann eine Anleihe von rund fünf Milliarden Euro ausgeben. Als dritter Schritt kommt nach einer außerordentlichen Hauptversammlung, die bis Ende Februar stattfinden und auch die Vereinbarungen mit Mobilcom absegnen soll, eine Kapitalerhöhung um 15 Milliarden Euro.

Auf größere Anteilsverkäufe will Breton offenbar vorerst verzichten. „Ich werde dem Konzern weder einen Arm noch ein Bein abschneiden“, sagte er zu Betriebsräten. Im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung war gestern in Branchenkreisen noch über die Aufgabe der Datennetztochter Equant S.A. spekuliert worden.

Vielmehr erwarten Branchenkreise, dass Breton auf mittlere Sicht die Minderheitsaktionäre von Orange S.A. auskaufen könne. Analysten schütteln darüber den Kopf. Doch zwänge Breton sie damit, Oranges Börsenbewertung von 33 Milliarden Euro voll in die Wertberechnung von France Télécom einzubeziehen. Die Börse bewertet den Konzern aktuell nur mit 20 Milliarden Euro.

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