Frankfurt : Börsen-Fusion kommt erst 2017

In diesem Jahr wird es die geplante Fusion der Deutschen Börse und der Börse in London nicht mehr geben. Der Vorstandschef warnt vor einem Scheitern.

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Der Hauptsitz der Deutschen Börse AG in Eschborn bei Frankfurt am Main.
Der Hauptsitz der Deutschen Börse AG in Eschborn bei Frankfurt am Main.Foto: dpa

Die geplante Fusion von Deutscher Börse und der Börse in London wird frühestens im ersten Quartal 2017 endgültig unter Dach und Fach gebracht werden können. Erst nach der Zustimmung der Aktionäre in Deutschland und in Großbritannien im Juli könne der Lauf durch die mehr als 20 Behörden - unter anderem in Brüssel, London und Frankfurt - die die Fusion absegnen müssen, beginnen, sagte Carsten Kengeter, Vorstandschef der Deutschen Börse am Montagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Bis ein positives Urteil der Behörden zur Fusion vorliege, an dem Kengeter nicht zweifelt, würden wohl einige Monate vergehen.

 

Ein Brexit, also der mögliche Austritt Großbritanniens aus der EU, über den Briten am 23. Juni entscheiden, stehe dem Zusammenschluss nicht im Wege. Inhaltlich und rational ändere sich dadurch an den Vorteilen für die Börsen in Frankfurt und London durch ein Brexit nichts, betont der seit einem Jahr amtierende Vorstandschef der Deutsche Börse AG. Er warnt vor einem Scheitern der Fusion. „Wir müssen eine Brücke nach London bauen, sonst wird Frankfurt abgehängt“. Der Schritt sei „absolut zwingend“, damit Europa bei der Gestaltung des globalen Finanzmarktes nicht von US- und asiatischen Börsen abgehängt werde.  Ganz Europa werde ohne die Fusion verlieren, die Börseninfrastruktur werde dann „fremdbestimmt“. Kengeter fürchtet, dass die Börse in Frankfurt zum Übernahmeziel und vermutlich von einer der großen US-Börsen geschluckt wird. „Noch haben wir die Chance auf eine gesamteuropäische und eine selbstbestimmte Lösung“.

 

Der ehemalige Investmentbanker sieht, wie er am Montag sagte, seine Aufgabe darin, „die Deutsche Börse an die Weltspitze zurückzuführen“. Das gehe nur über Größe und Wachstum. Dazu seien auch Fusionen ein Weg. Er habe zusammen mit seinen Kollegen seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr eine hohe zweistellige Zahl von Optionen geprüft. Das Zusammengehen von Frankfurt und London sei die sinnvollste Kombination. Beide Börsen zusammen würden nach Ansicht des 49jährigen gebürtigen Heilbronners einen großen Schritt nach vorne machen, und auch für mehr Finanzstabilität in Europa sorgen. Ab dem dritten Jahr nach der Fusion gebe es zudem Einsparungen von 450 Millionen Euro jährlich. Mehr noch: Mit einer fusionierten Börse gebe es, sagt Kengeter, für innovative Unternehmen einen viel besseren Zugang zu Kapital. „Damit haben wir die Chance London und das Rhein-Main-Gebiet zu einem europäischen Silicon Valley aufzubauen“.

 

Obwohl die Aktionäre der Deutschen Börse mit mehr als 50 Prozent die Mehrheit der Anteile an der neuen Obergesellschaft beider Börsen halten soll, ist als rechtlicher Sitz der Holding London vorgesehen. In Frankfurt wird das zu Teil extrem kritisch gesehen, weil es mit einem Abstieg des deutschen Finanzzentrums verbunden sein könnte. „Ich nehme solche Befürchtungen sehr ernst“, sagt Kengeter. „Aber sie sind unbegründet“. Es gebe nach der Fusion weiter zwei Hauptsitze am Main und an der Themse und die Börse in Frankfurter bleibe in ihrer heutigen Struktur erhalten. „Das neue Unternehmen hat ein massives Eigeninteresse in Frankfurt stark vertreten zu sein. London braucht den Zugang zum Euroraum.“

 

Sollte das Vorhaben doch scheitern, habe er noch andere Vorschläge und Ideen. Die seien für den Standort Frankfurt aber bei weitem nicht so werthaltig wie eine Fusion mit London. Einfach und alleine zu wachsen, sei für die Deutsche Börse sehr schwierig, wenn nicht unmöglich. Ob e alternative Vorschläge allerdings auch umsetzen werde, sei eine andere Frage, sagte Kengeter. Offenbar verbindet er seinen Job an der Spitze der Deutschen Börse mit dem erfolgreichen Zusammengehen mit London.  

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