Wirtschaft : Frankfurt gewinnt gegen Berlin

Autoschau IAA bleibt am Main/Angeblich Terminprobleme und Kapazitätsengpässe in Berlin Berlin/Frankfurt (Main)(alf/ro).Die Internationale Autoausstellung IAA kommt nicht nach Berlin.Der Verband der Deutschen Automobilindustrie teilte am Dienstag mit, sowohl 1999 als auch im Jahr 2001 werde die IAA Pkw in Frankfurt (Main) stattfinden. "Ausschlaggebend für den Beschluß, die IAA Pkw auch weiterhin in Frankfurt (Main) zu veranstalten, war unter anderem die Tatsache, daß Berlin dem VDA keinen akzeptablen Termin für die Durchführung der IAA Pkw anbieten konnte", heißt es in einer Mitteilung des VDA.Auf Nachfrage erklärte VDA-Sprecher Winfried Grzenia, Berlin habe für die Autoschau 1999 die Zeit vom 28.9 bis 10.10.angeboten; mit diesem Termin "kriegen wir Probleme mit dem internationalen Ausstellungskalender", so Grzenia, da bereits am 22.Oktober die Motorshow in Tokio beginne.Frankfurt dagegen könne die IAA vom 14.9.bis zum 26.9.durchführen.Der Sprecher der Messe Berlin, Michael Hofer, zeigte sich über diese Argumentation erstaunt: "Seit wann wird die Motorshow in Tokio so hoch bewertet?" Trotz der Niederlage gab sich Hofer zuversichtlich, "daß wir nach 2001 noch eine Chance haben".Dann sei das Messegelände fertig, Berlin nehme Hauptstadtfunktionen war und der Wandel in Osteuropa sei vorgangekommen.Schließlich sei bis dahin auch der VDA von Frankfurt nach Berlin umgezogen, wodurch sich die "Sichtweise verändert".Hofers Resümee: "Die Zeit läuft für uns." Nach Mitteilung des VDA hat das Präsidium des Verbandes die Standortentscheidungen einstimmig geschlossen.Um die IAA Pkw hatte sich neben Frankfurt und Berlin auch München beworben; für die IAA Nutzfahrzeuge, die seit 1992 in Hannover stattfindet, gaben Franfurt, München und Hannover Angebote ab.Die Nutzfahrzeugmesse wird 1998 noch einmal in Hannover und im Jahr 2000 in Frankfurt veranstaltet."Nach 2000 soll über den Austragungsort der IAA Nutzfahrzeuge erneut beraten werden." Neben der Terminprobleme haben nach Angaben des VDA absehbare Kapazitätsengpässe gegen Berlin gesprochen."Auch nach der vorgesehenen Ausbaustufe dürfte das Berliner Messegelände dem noch steigenden Platzbedarf der IAA nicht gewachsen sein", schreibt der VDA.Verbandssprecher Grzenia zufolge hat die letzte IAA 1995 rund 160.000 Quadratmeter belegt, für die IAA im kommenden Jahr würden bereits 170.000 Quadratmeter veranschlagt.Die Kapazität in Berlin wird 1999 bei 160.000 Quadratmeter liegen.Dazu Berlins Messesprecher Hofer: "Wir sind angetreten, weil man uns beim VDA gesagt hat, 160.000 Quadratmeter Hallenfläche sind ausreichend." Grzenia zufolge hat sich der Verband die Entscheidung nicht leicht gemacht.In der Endphase sei es nur noch um Berlin oder Frankfurt gegangen.Die IAA sei "nicht nur die größte, sonder auch die bedeutendste Autoausstellung der Welt" und die "wichtigste Messe in Deutschland", betonte Grzenia.In Frankfurt habe man Erfahrungen gesammelt, die Stadt sei "gut an die Welt angebunden", also schnell erreichbar.Auf der 1995er IAA habe es 15 Prozent mehr Besucher gegeben als 1993. Frankfurts Messe-Chef Eike Markau feiert das Votum des VDA als Beweis für die Stärke des Messeplatzes am Main."Das ist eine wunderbare Entscheidung.Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen." Den Ausschlag gegeben habe die Kompetenz, Internationalität und Image, die Erreichbarkeit und das Flächenangebot in Frankfurt, das noch Platz für Wachstum lasse."Wir haben heute schon Flächen vermietet, die es in Berlin noch gar nicht gibt." Auch die Termine und die Preise seien richtig gewesen.Nach Ansicht von Markau hat Frankfurt damit seinen Ruf als "Automobilhauptstadt" bestätigt. Die erste IAA hatte zwar 1897 in Berlin stattgefunden, seit 1951 wird die Messe aber am Main ausgetragen.Die letzte IAA Pkw hatte mehr als 800.000 Besucher angezogen, die Leipziger Automobil kam dagegen nur auf 256.000 Besucher, die AAA in Berlin auf 200.000.In den vergangenen Wochen hatte es ein heftiges Gerangel um die Messe gegeben.Erika Emmerich, zum Jahresende ausscheidende VDA-Präsidentin, hatte sich ebenso wie Wirtschaftsminister Rexrodt für Berlin stark gemacht, was letzterem heftige Schelte von Hessens Ministerpräsident Hans Eichel eintrug.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar