Wirtschaft : Frankfurt wird zum Zentrum der Finanzwelt

ROLF OBERTREIS[FRANKFURT]

"Global 24" diskutieren Experten am Main, in New York, London, Tokio, Paris und Mailand per VideokonferenzVON ROLF OBERTREIS, FRANKFURT

Allein zwei Jahre dauerten die Vorbereitungen, über 100 Mitarbeiter waren in dieser Zeit beschäftigt.Und im Frankfurter Congress Center proben seit Tagen 30 Techniker für den Ernstfall.Der Ernstfall tritt am heutigen Dienstag, dem 1.Juli ein.Dann beginnt unter anderem am Main die Videokonferenz "Global 24". Zwölf Stunden lang werden sich Minister, Banker und Währungsexperten in aller Welt über die Europäische Währungsunion (EWU) austauschen, direkt und per Videoleinwand.Eigentlich setzt sich die Konferenz zusammen aus sechs Veranstaltungen - in Frankfurt (Main), Tokio, Paris, Mailand, London und New York.Dort wird sozusagen lokal diskutiert, aber zu bestimmten Zeiten auch über drei Zeitzonen hinweg und von drei Kontinenten aus gemeinsam. Wenn "Global 24" um 8 Uhr 30 in Frankfurt (Main) beginnt, sitzt man in Tokio längst zusammen, denn dort ist es schon 15 Uhr.In New York dagegen liegen die Konferenzteilnehmer noch im Bett, denn dann ist dort 2 Uhr 30.Und wenn Wim Duisenberg, der neue Präsident des Europäischen Währungsinstitutes (EWI) an seinem ersten Amtstag um 18 Uhr 30 in Frankfurt auftritt, ist es in Tokio 3 Uhr nachts und die Experten dort liegen schon längst wieder in den Federn. Genau gesagt beginnt das Treffen am 1.Juli um 14 Uhr 30 in Tokio und endet um 14 Uhr 30 in New York - am selben Tag."Eigentlich wollten wir insgesamt 24 Stunden tagen", sagt Nader Maleki vom International Bankers Forum in Frankfurt.Er hatte die Idee für die Konferenz und konnte die internationale Finanzwelt schnell für sein Vorhaben begeistern. Frankfurt gilt mit über 1000 geladenen Gästen als Fokus dieser einmaligen Welt- Konferenz.Die Stellung der Finanzmetropole soll damit dokumentiert werden, auch und vor allem als "Epizentrums des EWU- Gedankens", wie es bei der Deutschen Bank heißt.Das größte deutsche Kreditinstitut ist einer der Hauptsponsoren.Mit dabei sind viele, die Rang und Namen haben: Finanzminister Theo Waigel, EU-Kommissionspräsident Jacques Santer, die Präsidenten der französischen und britischen Notenbank, Bundesbank-Präsident Hand Tietmeyer, Fiat-Chef Giovanni Agnelli und Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer und eben Wim Duisenberg sind nur einige der über 60 Experten, die diskutieren werden. Rund 4 Mill.DM wird das Spektakel verschlingen.Ob am Ende der Mammut-Konferenz wirklich neue und wichtige Erkenntnissen stehen, ist eine ganz andere Frage, Unabhängig davon soll "Global 24" jedes Jahr stattfinden, an noch mehr Konferenzorten.1998 kommen Hongkong, Singapur, Chicago und San Francisco dazu.

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