Frankfurter Börse : Anleger trauen Euro-Plänen nicht

12.12.2011 11:26 Uhr
Im Handelssaal der Frankfurter Börse werden die jüngsten Euro-Pläne skeptisch gesehen. Foto: Reuters
Im Handelssaal der Frankfurter Börse werden die jüngsten Euro-Pläne skeptisch gesehen. - Foto: Reuters

Nach dem EU-Gipfel am Freitag waren die Protagonisten zufrieden. Merkel und Sarkozy sehen das Bündnis auf dem Weg zu Fiskalunion. Die Anleger an den Börsenplätzen Europas sind da nicht ganz so zuversichtlich.

Zweifel an der Wirksamkeit und schnellen Umsetzbarkeit der Beschlüsse des EU-Schuldengipfels sowie wachsende Rezessionsängste haben am Montag für Verkäufe an den europäischen Aktienbörsen gesorgt.

Dax und EuroStoxx50 verloren zu Wochenbeginn jeweils zwei Prozent bei 5870 beziehungsweise 2300 Punkten. Der Euro stand ebenfalls unter Verkaufsdruck und verbilligte sich im Vergleich zum New Yorker Freitagsschluss um mehr als einen US-Cent bei 1,3260 Dollar.

"Der erste Schritt ist gemacht, aber der Weg ist noch lang und kurvenreich", sagte Philippe Gijsels, Chef-Analyst der BNP Paribas Fortis Global Markets.

Die europäischen Spitzenpolitiker hatten sich Ende vergangener Woche unter anderem auf eine strengere Haushaltsdisziplin verständigt.

"Die Sparmaßnahmen werden einen stark negativen Effekt auf das Wachstum haben und werden 2012 zu einem konjunkturell schwierigen Jahr machen", sagte Gijsels. "Es wird schwer für die Unternehmen, ihre Gewinne zu steigern und die Ergebnis-Prognosen sind wohl immer noch viel zu optimistisch."

In diesem Zusammenhang wies Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research darauf hin, dass aus den Schwellenländern kaum ein Ausgleich für einen Nachfrage-Rückgang in Europa zu erwarten sei. Schließlich seien die chinesischen Konjunkturdaten der vergangenen Wochen eher enttäuschend ausgefallen. Indien gab am Montag einen 5,1-prozentigen Rückgang der Industrieproduktion bekannt.

Im deutschen Leitindex Dax gehörten Banken und Versicherer zu den größten Verlierern. Bei letzteren lastete auch die Warnung der Rating-Agentur Standard & Poor's, die Bonität herabzusetzen, auf der Stimmung. Allianz büßten gut drei Prozent ein. Commerzbank und Deutsche Bank sanken ebenfalls um gut drei Prozent. Gegen den Trend zulegen konnte die Deutsche Post. Die "Aktie Gelb" verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 10,88 Euro.
Finanzvorstand Larry Rosen hatte in einem Zeitungsinterview eine Sonderdividende ins Gespräch gebracht.

Auf der Suche nach einem "sicheren Hafen" griffen Anleger erneut zu Bundesanleihen. Der Bund-Future gewann 80 Ticks auf 136,17 Punkte. Gleichzeitig wuchsen die Risikoaufschläge (Spreads) für die zehnjährigen Anleihen hoch verschuldeter Euro-Staaten wie Italien und Spanien wieder. Die Risikoaufschläge der zweijährigen italienischen Titel gingen dagegen zurück. Händler machten dafür erneute Stützungskäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) verantwortlich.

Börsianer kritisierten außerdem, dass die EU-Beschlüsse kriselnden Staaten wie Italien oder Spanien keine schnelle Entlastung brächten. "Auf der Suche nach langfristigen Lösungen haben die Politiker die kurzfristigen Probleme aus den Augen verloren", betonte Analyst Ruland.

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