Wirtschaft : Frankfurter Börse: Unternehmen will kräftig zulegen

Nach ihrem Börsengang will die Deutsche Börse ihren Gewinn in diesem Jahr um ein Fünftel steigern. Ungeachtet der schwierigen Situation an den internationalen Aktienmärkten soll auch der Umsatz des Konzerns 2001 um bis zu 15 Prozent wachsen, sagte Vorstandschef Werner G. Seifert am Donnerstag bei der ersten Hauptversammlung des seit diesem Februar börsennotierten Unternehmens in Frankfurt.

Die Aktionäre entscheiden unter anderem über einen Aktiensplit im Verhältnis 10 zu 1, von dem sich Seifert Impulse für den Kurs verspricht, da die Aktie "leichter" und damit attraktiver für den Anleger wird. Beschlossen werden soll außerdem eine Kapitalerhöhung. Ursprünglich sollte der Split schon vor dem Börsengang stattfinden, doch fiel er damals dem engen Zeitplan zum Opfer. Für das Rekordjahr 2000 soll eine Dividende von drei Euro je Aktie gezahlt werden. Und auch sonst können sich die Investoren nicht beklagen. Zwar fielen die Titel der Deutsche Börse AG zeitweilig unter den Emissionspreis von 335 Euro, doch mittlerweile liegen sie mit einem Kurs von fast 380 Euro wieder im Plus.

Wie das Unternehmen bereits am Vorabend der Hauptversammlung mitteilte, konnte die Deutsche Börse ihr Ergebnis im ersten Quartal 2001 trotz der Turbulenzen an den Aktienmärkten auf Rekordhöhe schrauben. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg der Gewinn vor Steuern um 57,1 Prozent auf 98,8 Millionen Euro (rund 193 Millionen Mark). Beim Umsatz legte die Deutsche Börse in den ersten drei Monaten diesen Jahres um 4,6 Prozent auf 191,7 Millionen Euro zu.

Enttäuschend fallen jedoch die Umsatzzahlen aller deutschen Börsen im April aus. In diesem Monat fiel der Umsatz an allen deutschen Wertpapierbörsen gegenüber dem Vorjahresmonat um 16 Prozent auf 368,6 Milliarden Euro. Seit Jahresbeginn lag der Umsatz an den acht deutschen Wertpapierbörsen mit 1,7 Billionen Euro sogar um ein Drittel unter Vorjahresniveau.

Das heutige Aktionärstreffen ist die erste Hauptversammlung der Börse als gelistetes Unternehmen. Die Börse, die im Februar am Aktienmarkt debütierte, rechnete mit über 1000 Teilnehmern - ein großer Kontrast zu früheren Veranstaltungen, bei denen Banken und Makler als Anteilseigner unter sich waren und die Beschlüsse ohne Diskussion absegneten.

Weiter unbeantwortet dürfte die in Finanzkreisen heiß diskutierte Frage bleiben, wozu Seifert die knapp eine Milliarde Euro aus dem Börsengang verwenden will. "Das Geld auf dem Sparbuch liegen zu lassen, fördert nicht gerade die Eigenkapitalrendite", drängen Kreise des Aufsichtsrats aufs Tempo. Analysten erwarten aber nicht, dass Seifert auf der Hauptversammlung größere Akquisitionen ankündigt.

Ungemach könnte mittelfristig von Seiten der EU-Kommission drohen, die seit kurzem die Wertpapierabwicklung (Clearing und Settlement) in Europa untersucht. Die EU fragt sich, ob die so genannten Silos, die vom Handel bis zur Abwicklung alles unter einem Dach anbieten, den Wettbewerb behindern. Die Deutsche Börse ist davon auch betroffen, denn sie ist an dem Abwickler Clearstream mit 50 Prozent beteiligt.

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