Wirtschaft : Frankfurter Messe hat ehrgeizige Pläne

FRANKFURT(MAIN) / NÜRNBERG (ro/dpa).Die Messe Frankfurt will in den nächsten zehn Jahren kräftig wachsen: Sie will, wie am Montag bekanntgegeben, bis zum Jahr 2008 den Umsatz verdreifachen, das Messegelände in Frankfurt deutlich erweitern und die Zahl der Messen stark steigern - vor allem im Ausland.Damit kommt auch der mit Abstand bedeutendste deutsche Messeplatz dem wachsenden Interesse insbesondere ausländischer Kundschaft entgegen.Das für das laufende Jahr bei den insgesamt rund 130 überregionalen Messen erwartete Aussteller-Plus von drei Prozent - bei insgesamt 152 00 Anbietern - gehe allein auf das Konto ausländischer Firmen, erklärte Hermann Kresse vom Ausstellungs- und Messeausschuß der Deutschen Wirtschaft (Auma) gleichzeitig zum Wochenbeginn in Nürnberg.

Die größte deutsche Messegesellschaft in Frankfurt will Investitionen in Höhe von rund 1,5 Mrd.DM aufbringen und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit vor allem im Vergleich zu großen britischen und amerikanischen Messeveranstaltern stärken.Eine Milliarde soll nach Angaben von Messe-Finanz-Geschäftsführer Raimund Hosch allein dem Bau neuer Messehallen dienen: Die Ausstellungsfläche - derzeit sind es 290 000 Quadratmeter - soll um 85 000 Quadratmeter wachsen.

500 Mill.DM sind für neue Messen im In- und Ausland sowie für das neue Geschäftsfeld "Medien & Services" vorgesehen.Während das Unternehmen derzeit mit Messen fast 80 Prozent des Umsatzes erzielt, sollen es in zehn Jahren nur noch 50 Prozent sein.Dafür will man den Umsatz über das Internet, über Business- und Messe-Fernsehen und über Printmedien von derzeit rund zehn auf künftig 40 Prozent steigern."Wir wollen uns vom reinen Messeveranstalter zum Messe-Servicepartner wandeln", betont Hosch.Dabei will die Messe Frankfurt durch ihre Standorte in Deutschland, den USA, in Brasilien und in Hongkong 24 Stunden rund um die Uhr präsent sein.Spätestens bis 2004 will das Unternehmen mit rund 100 Messen im Ausland aktiv sein.Derzeit veranstaltet die Messe Frankfurt jährlich 73 Messen, davon 20 in Lateinamerika, 18 in Asien, fünf in den USA und acht im europäischen Ausland.Die Investitionen - für 1998 und 1999 hat der Aufsichtsrat jeweils 170 Mill.DM abgesegnet - will die Messe Frankfurt zu 60 Prozent aus eigener Kraft finanzieren.Allerdings müssen dafür die beiden Gesellschafter - das Land Hessen und die Stadt Frankfurt - in den nächsten Jahren auf eine Gewinnausschüttung verzichten.An einen Börsengang der Messe Frankfurt denken die beiden Eigentümer nach Angaben von Hosch für die nächsten Jahre nicht.Die neue Unternehmensstrategie sei deshalb auch nicht von einem Börsengang abhängig.

Im vorigen Jahr konnte die Messe Frankfurt mit ihren rund 620 Mitarbeitern ihre Position als Branchenführer in Deutschland mit einem Rekordabschluß weiter festigen.Der Umsatz stieg zum - wegen der Zahl der Messen - vergleichbaren Jahr 1995 um knapp zehn Prozent auf 470 Mill.DM.Der Gewinn vor Steuern erhöhte sich um 51 Prozent auf 74 Mill.DM, und der Jahresüberschuß kletterte von 17 auf 49 Mill.DM.Für dieses Jahr erwartet Hosch den nächsten Rekord: Der Umsatz soll 490 Mill.DM, der Vorsteuer-Gewinn 55 Mill.DM erreichen.

Nach Angaben von Hosch liegt die Messe Frankfurt unangefochten an erster Stelle in Deutschland: In den Jahren 1997 und 1998 zusammengenommen erzielte die Messe am Main einen Umsatz von 960 Mill.DM und einen Gewinn vor Steuern von 130 Mill.DM.Das seien rund 100 Mill.DM mehr als der Branchenzweite, die Deutsche Messe AG in Hannover.Dort sollen 1997 und 1998 insgesamt 890 Mill.DM umgesetzt werden.In Berlin gibt es bei einem Umsatz von 450 Mill.DM in diesen beiden Jahren dem Vernehmen nach einen Verlust von zehn Mill.DM.

Wie Kresse von der Auma mitteilte, stieg der Umsatz der deutschen Messegesellschaften 1997 um etwa zehn Prozent auf fast vier Mrd.DM.Trotz großer Investitionsvorhaben - nicht nur in Frankfurt - sei allerdings nicht mit Überkapazitäten zu rechnen.Der Trend zur Internationalisierung gehe weiter, zeigte sich Kresse überzeugt.Bei den großen Messen kämen inzwischen rund 46 Prozent der Anbieter aus dem Ausland.Auch bei den Besuchern würden in diesem Jahr allein die Ausländer für einen Zuwachs um ein Prozent auf 9,5 Millionen Interessierte sorgen.Die rund 200 regionalen Veranstaltungen verzeichneten ebenfalls ein Nachfrageplus aus dem Ausland.

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