FRANKREICH : FRANKREICH

STAATSVERSCHULDUNG:



88 Prozent

KURSVERLUST SEIT DEM 1. JULI:

21 Prozent (CAC 40)

Deutschland, Österreich, Finnland und die Niederlande gelten als die starken Kräfte in der Eurozone. Und Frankreich? Schon seit Monaten wird die zweitgrößte Volkswirtschaft des Kontinents mit Skepsis beäugt. Im zweiten Quartal ist das Wachstum auf null gesunken. Jetzt machen Gerüchte die Runde, die Ratingagenturen könnten dem Land die Top-Note AAA entziehen. An der Börse führte das in dieser Woche zu heftigen Verlusten – trotz der umgehenden Dementis der drei namhaften Agenturen. Standard & Poor’s hatte Paris aber bereits zuvor gewarnt, das Spitzenrating könne in Gefahr geraten, sollte der Reformeifer nachlassen. Präsident Nicolas Sarkozy reagierte daher auf das Getuschel und stellte ein neues Sparprogramm für den 24. August in Aussicht, das ab 2012 wirken soll. Er werde den Schuldenabbau beschleunigen, versicherte er, nachdem er eigens aus dem Sommerurlaub an der Côte d'Azur zurückgekehrt war. Eine Schuldenbremse wie in Deutschland soll nun in der Zukunft übermäßige Defizite verhindern. Diese Wendung Sarkozys ist bemerkenswert – hatte er doch zuvor über Jahre die Sanierung der Staatsfinanzen schleifen lassen. Vor allem die Industriepolitik Frankreichs gilt als kostspielig, sie führte zu zahllosen Steuervorteilen für die Wirtschaft. Viele Unternehmen zahlen gar nichts mehr an den Staat. Würde das EU-Gründungsmitglied ins Trudeln geraten, wären die Rettungsbemühungen für die noch schwächeren Mitglieder zum Scheitern verurteilt – Paris wird als Zahler dringend benötigt. Doch unter den Euro-Ländern mit AAA-Rating ist Frankreich das mit den meisten Schulden, sie betragen 88 Prozent der Wirtschaftsleistung. 2011 dürfte das Etatdefizit bei 5,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen – beinah doppelt so viel wie der Maastricht-Vertrag erlaubt. brö

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben