Wirtschaft : Frankreich gegen Hollywood Paris stellt sich quer bei Freihandelsabkommen

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Brüssel - Ihr größter Kinoerfolg ist eine Hommage an Hollywood gewesen, nun macht sie gegen Hollywood mobil: Die französische Schauspielerin Bérénice Bejo, die für ihre Rolle in „The Artist“ eine Oscarnominierung erhielt, will den Ausverkauf der subventionierten Filmindustrie in Europa verhindern. Anlass ihrer „großen Sorge“ ist das geplante Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA. „Ich habe in vielen Filmen mitgewirkt, die gar nicht produziert worden wären, wenn den Marktkräften freier Lauf gelassen worden wäre“, sagte die Actrice diese Woche im Straßburger Europaparlament.

Mit ihrem Protest steht die Schauspielerin vor der entscheidenden Sitzung der EU-Handelsminister am Freitag in Luxemburg nicht allein. Die Delegationen aus Belgien, Griechenland und Ungarn reisen mit Bedenken an. Am massivsten aber lehnt es die französische Regierung ab, erstmals keine „kulturelle Ausnahme“ in einem Freihandelsabkommen mehr zu haben und auch den audiovisuellen Bereich ins Verhandlungsmandat aufzunehmen. „Wir wollen, dass der Bereich ausgenommen wird“, sagt ein französischer EU-Diplomat, „da gibt es auch keinen Platz für die übliche europäische Kreativität bei den Formulierungen.“

Eine Herausnahme aber, so argumentiert beispielsweise die irische Ratspräsidentschaft, die das Treffen vorbereitet, wäre „taktisch unklug“. Gegenwehr kommt auch von EU-Kommissionschef José Manuel Barroso: „Das birgt die Gefahr, europäische Interessen aufs Spiel zu setzen in einem Sektor, in dem die EU auch offensive Interessen hat.“ Die Amerikaner könnten sich ihrerseits genötigt sehen, für die Europäer wichtige Bereiche wie das öffentliche Beschaffungswesen in den USA auszuklammern.

Diese Meinungsverschiedenheiten sind so kurz vor der Ministersitzung am Freitag ein Problem. Schließlich wollen Kommissionschef Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy am Rande des G-8-Gipfels Anfang nächster Woche zusammen mit US-Präsident Barack Obama offiziell den Startschuss für Verhandlungen über die größte Freihandelszone der Welt geben. Ohne Mandat der Mitgliedstaaten aber würde die Show platzen. Christopher Ziedler

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