Wirtschaft : Frankreich nähert sich nun doch dem Airbuskonzern

MÜNCHEN / PARIS / BERLIN (asi/HB/AFP).Bei den Bemühungen zur Bildung eines europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns zeichnet sich eine überraschende Wendung ab.Nachdem zuletzt über eine Fusion der DaimlerChrysler Aerospace (Dasa) mit British Aerospace spekuliert wurde, scheint jetzt der französische Partner Aerospatiale wieder ins Spiel zu kommen.Es gebe neue Signale aus Frankreich, erklärte Roland Klein, Konzern-Sprecher von DaimlerChrysler, gegenüber dem Handelsblatt.Es sei durchaus vorstellbar, daß die Franzosen nun doch von Anfang an mit von der Partie sind.

Auch in München hieß es, aus Frankreich erreichten die Dasa "vermehrte Gesprächswünsche".Eine Beteiligung der Franzosen an einem gemeinsamen europäischen Unternehmen sei jetzt wieder denkbar.Neue Kontakte zwischen Dasa und Aerospatiale wurden bestätigt.Damit würde eine Dreierlösung wieder wahrscheinlicher.Erst im Dezember hatte die französische Regierung ihre Bereitschaft signalisiert, sich stärker als bislang geplant aus dem Kapital des staatlichen Luftfahrtkonzerns Aerospatiale zurückzuziehen.

Das europäische Flugzeugkonsortium Airbus muß nach Ansicht des französischen Aerospatiale-Chefs Yves Michot in diesem Jahr mit einem "sehr deutlichen" Auftragsrückgang rechnen."Es wird eine Korrektur des Marktes geben, die sich von 1999 an bemerkbar machen wird".Nach den Worten Michots wird der jährliche Bedarf an neuen Flugzeugen weltweit auf 600 bis 700 Maschinen geschätzt.Allein in den Jahren 1997 und 1998 seien aber bei Airbus und dem US-Konkurrenten Boeing mehr als 2200 Flugzeuge bestellt worden, was etwa dem Dreifachen eines Jahresbedarfs entspräche.Airbus Industrie hatte im vergangenen Jahr mit 556 Festbestellungen im Wert von 39 Mrd.Dollar (65,1 Mrd.DM) einen neuen Auftragsrekord in seiner 30jährigen Geschichte verzeichnet.

Die mögliche Entscheidung des Airbus-Konsortiums über den Montagestandort der neuen Airbus-Linie A3XX noch in diesem Halbjahr bereitet Mecklenburg-Vorpommern jetzt verstärkt vor.Nachdem sich die rot-rote Landesregierung in Schwerin erst in den letzten Tagen zu einer gemeinsamen Bewerbung des Standortes Rostock-Laage mit dem Dasa-Standort Hamburg entschlossen hatte, übergab Bauminister Helmut Holter (PDS) am Mittwoch in Schwerin den genehmigten Bebauungsplan für ein Airbus-Werk am Flugplatz Laage an den zuständigen Planungsverband.Das ostdeutsche Bundesland bietet darüber hinaus bei einem Zuschlag dem Konsortium Fördermittel im Umfang von 800 Mill.DM für die Entwicklung des Standortes und der Infrastruktur an.

Der Bebauungsplan sieht eine zu bebauende Fläche von 140 Hektar vor.Insgesamt wurden 320 Hektar überplant.Der Bebauungsplan berührt neben der Stadt Laage die Gemeinden Weitendorf, Hohen Sprenz und Striesdorf.Sie haben einen gemeinsamen Planungsverband gebildet.

Die Nordostdeutschen haben damit im Rennen um den Zuschlag für den Airbusbetrieb einen wichtigen Schritt getan: Sie haben Planungsrecht geschaffen und den Entscheidern im Konsortium damit ein Zeichen gegeben, daß in Mecklenburg der Bau des Montagewerkes ohne jede Verzögerung beginnen könnte.Ob dies jedoch ausreicht, um ein Produktionswerk anzusiedeln, das rund 2000 Arbeitskräfte verspricht, bleibt abzuwarten.Denn auch in Hamburg steht das Planfeststellungsverfahren für Erweiterungsflächen neben dem bestehenden Montagewerk kurz vor dem Abschluß.Und die Hamburger können einen in der Flugzeugfertigung erfahrenen Mitarbeiterstamm vorweisen.

Außer Rostock und Hamburg haben sich aber auch St.Nazaire und Toulouse in Frankreich und Sevilla in Spanien beworben.Und deren Chancen, die begehrte Industrieansiedlung zu sich zu ziehen, scheinen zumindest nicht unbegründeter als die deutschen.Denn gerade Frankreich wird sich die Montage des prestigeträchtigen A3XX wohl kaum entgehen lassen.

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