Wirtschaft : Frankreichs Allzweckwaffe

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Gibt es etwas, das Nicolas Sarkozy nicht kann – oder das er sich nicht zutraut? Neuerdings ist Frankreichs Finanzminister Raumfahrtexperte: Er will den AirbusBauer EADS mit dem französischen Militärkonzern Thales fusionieren. Dass beide börsennotiert sind, ist für seine Idee des französischen – Pardon, europäischen – Verteidigungs-Champions unwichtig.

Jüngst war der ehrgeizige Politiker nicht Interventionist, sondern überzeugter Liberaler, der mehr Reformen forderte und gegen die 35-Stunden-Woche kämpfte. Das hinderte ihn nicht, den Wirtschaftsnationalismus Frankreichs zu pflegen. Er intervenierte für Alstom und bewahrte Aventis vor einer ausländischen Übernahme. Im Sommer betätigte er sich im Handel und schrieb Supermärkten Deo- und Shampoo-Preise vor. Er ist für eine offene EU, aber gegen den Türkei-Beitritt: ein klarer Widerspruch. Dazu kommen Ansichten über korsische Separatisten, Religion und Verbrechen. Sarkozys Energie ist erfrischend und macht ihn beliebt. Klar, dass Chirac ihn nicht mag. Aber letztlich bleibt die Vision unklar. Sarkozys einzige Philosophie scheint die Karriere zu sein. 2007 will er Präsident werden. Doch er sollte nicht vergessen: Echte Führer können es nicht allen recht machen.

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