Wirtschaft : Frankreichs Emmely wird entschädigt

Auneau - Ein französisches Gericht hat sich auf die Seite einer Supermarktkassiererin gestellt, deren Geschichte dem Berliner Fall Emmely gleicht. Der Chef eines Geschäfts in Auneau südwestlich von Paris beschuldigte die Frau, die Einkäufe eines Kunden auf ihrer persönlichen Rabattkarte gutgeschrieben zu haben. „Er hat mich wie eine Diebin behandelt“, sagte die Kassiererin, die nur ihren Vornamen Marie-Christine nennt. Vor einem Jahr wurde sie entlassen – es ging um den Gegenwert von 60 Cent.

Ein Arbeitsgericht in Versailles erklärte die Kündigung jetzt für ungültig und sprach ihr sogar eine Entschädigung von 17 380 Euro zu, wie die Frau berichtete. Die Berliner Supermarktkassiererin, die Emmely genannt wird, hatte ihren Job wegen angeblich unterschlagener Leergutbons von 1,30 Euro verloren. Das Landesarbeitsgericht bestätigte die Kündigung als rechtmäßig, was eine Welle der Empörung auslöste. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse, direkt gewählter SPD-Abgeordneter für Berlin-Pankow, sprach sogar von einem barbarischen und asozialen Urteil, relativierte diese Einschätzung aber später.

Die französische Kassiererin sieht sich als Opfer eines Irrtums. Sie vermute, dass ihr Ex-Mann, der ihre Rabattkarte nach der Scheidung behalten hatte, diese ohne ihr Wissen weiter benutzt habe. Ihrem früheren Arbeitgeber wirft sie vor, die angebliche Unterschlagung genutzt zu haben, um überzähliges Personal loszuwerden. Die Supermarktkette Atac will gegen das Urteil nicht in Berufung gehen. Der Frau werde angeboten, sie wieder einzustellen, erklärte die Firma.

Emmely war nach 31 Jahren Betriebszugehörigkeit von Kaiser’s fristlos entlassen worden und lebt von Hartz IV. Bis heute bestreitet sie, die beiden Pfandbons im Wert von 82 und 48 Cent aus einem Büro entwendet und unberechtigterweise eingelöst zu haben. Das Landesarbeitsgericht sah die Tat indes als erwiesen an und erkannte einen „irreparablen Vertrauensverlust“. Tsp/AFP

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