Wirtschaft : Frankreichs Mauern

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Und der Oscar für den „schlimmsten Protektionismus“ geht an... Frankreichs Justiz! Ein Pariser Gericht findet den Film „Un long Dimanche de Fiancailles“ von JeanPierre Jeunet nicht französisch genug, um Geld oder Zugang zu nationalen Festivals zu erhalten. Der Film ist in Frankreich, in Französisch, mit französischem Team und Akteuren entstanden. Das Gericht aber stört die Finanzierung durch die Hollywoodfirma Warner Bros.

Es geht hier nicht um hungernde Künstler. Die Fördergelder werden nach dem Erfolg im Kino und beim DVD-Verkauf berechnet, und Künstler, deren Werke im Kino laufen, hungern selten. Die Klage französischer Produzenten und das Urteil sind, wie die EU-Agrarpolitik, ein Meisterwerk des Protektionismus. Ginge es nur um Talent, würde Geld von außen, das Künstler zu guten Filmen motivieren könnte, begrüßt.

Und wie national ist die Filmindustrie? Der Film „Chocolat“, der als französisch gilt, wurde von einem Schweden mit einem Amerikaner, zwei Kanadiern, zwei Briten und, ja, einer Pariserin, Juliette Binoche, gedreht. Welche Fahne würde bei der Premiere gehisst werden? Jeunets „Un long Dimanche“ aber ist für das Cannes-Festival disqualifiziert, weil er außerhalb Frankreichs gezeigt wurde. Cannes nimmt nur Filme, die für „Freundschaft und übergreifende Kooperation stehen“ – so wie der Gewinner 2003, „Fahrenheit 9/11“.

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