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Wirtschaft : Französischer Fusionspartner Aerospatiale-Matra nur knapp in den schwarzen Zahlen - Gespräche mit den Briten

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Die Münchner DaimlerChrysler Aerospace (Dasa) AG landet mit einem Rekordergebnis unter dem Dach des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS (European Aeronautic Defence and Space Company). Der scheidende Konzernchef Manfred Bischoff blickte zur letzten Dasa-Bilanzvorlage aber nicht nur wegen vorjähriger Spitzenergebnisse für Umsatz und Gewinn optimistisch in die Zukunft. Er macht sich auch Hoffnungen, mit der British Aerospace Systems (BAe) und Italiens Alenia noch vor dem für Juni oder Juli angepeilten EADS-Börsengang zu Resultaten zu kommen.

Mit der BAe verhandeln die künftigen EADS-Manager derzeit um deren Zustimmung zum Umbau des Airbus-Konsortiums zu einer Kapitalgesellschaft. Dabei zeichne sich ab, dass noch bestehende Differenzen bei der Bewertung der jeweils nationalen Airbus-Gesellschaften und Minderheitenrechten beigelegt werden sowie die BAe wie bisher mit einem Fünftel am Ziviljetprogramm beteiligt bleibe, sagte Bischoff. Nach dem Verschmelzen der Luft- und Raumfahrtindustrien Deutschlands, Frankreichs und Spaniens im Rahmen der EADS hatten die Briten beim Airbus bis zuletzt auf höhere Anteile gepocht.

Mit der Alenia soll ein Gemeinschaftsprojekt für Militärflugzeuge gegründet werden. Die deutschen und spanischen EADS-Partner kooperieren mit den Italienern schon jetzt beim Militärjetprojekt Eurofighter. Sowohl bei der BAe als auch bei Alenia blieben die aktuellen Gespräche aber auf Projekte unterhalb der EADS-Ebene beschränkt, ergänzte der künftige Dasa-Chef Rainer Hertrich, der für die deutsche Seite auch die EADS operativ führen wird. EADS-Gründungsmitglieder könnten BAe und Alenia nicht mehr werden.

Schon in den nächsten Tagen erwartet die Dasa grünes Licht von den Brüsseler Kartellwächtern zur Gründung des europäischen Raumfahrtkonzerns Astrium noch im Mai als erstem Schritt zur EADS. Nicht sehr erfreut sind Bischoff und Hertrich im Gegensatz zu den laufenden Geschäften und den Fortschritten bei der europäischen Integration über die als mangelhaft erachtete politische Unterstützung durch die Bundesregierung. Dieser Vorwurf bezieht sich zum einen auf die in Aussicht gestellte Förderung des Großraumjets A3XX durch Berlin. Die Dasa pocht auf zinsvergünstigte Darlehen. Berlin bietet eine Bürgschaft, was der Dasa gegenüber ihren europäischen Airbus-Partnern einen Kostennachteil von 650 Millionen Mark beschere und heimische Stellen gefährde. Außerdem kosten Budgetkürzungen bei der Bundeswehr bis 2002 850 Stellen, warnten die Dasa-Manager erneut. Wenn der Sparkurs im Verteidigungsetat anhalte, werde weiter abgebaut. Arbeitsplätze stünden auch durch die Berliner Richtlinien für Rüstungsexporte auf der Kippe.

Im Gegensatz zum Lamentieren stehen die Erwartungen des Dasa-Managements für 2000. Die Konzernumsätze, die im Vorjahr um fünf Prozent auf den neuen Rekordwert von 18 Milliarden Mark geklettert sind, sollen weiter zulegen. Den 1999 sogar um 17 Prozent auf 1,4 Milliarden Mark gestiegenen operativen Gewinn will Hertrich dieses Jahr halten. Beim Auftragseingang verfügt die Dasa mittlerweile über ein Polster von rund 47 Milliarden Mark das die Produktion für zweieinhalb Jahre auslastet. Im Vorjahr hat der Konzern wegen der guten Auftragslage die Belegschaft um 1200 Stellen aufgestockt und beschäftigte Ende 1999 gut 46100 Personen.

Anders als die Dasa geht der französische Partner Aerospatiale-Matra mit starken Gewinneinbußen in die Fusion zum europäischen Branchenriesen EADS. Der am Mittwoch veröffentlichte Bilanzgewinn fiel von 436 Millionen Euro auf nur noch 30 Millionen Euro, umgerechnet sind das 59 Millionen Mark. Der Umsatz erreichte allerdings 12,9 Milliarden Euro, was wie bei der Dasa einer fünfprozentigen Umsatzsteigerung gegenüber 1998 entspricht.

Die Franzosen verfügen über einen Auftragsbestand in Höhe von ewa drei Jahresumsätzen. Aerospatiale-Chef Philippe Camus bestritt, dass in seinem Konzern Personal abgebau werde. Am Montag hatte die französische Wirtschaftszeitung "La Tribune" berichtet, das Unternehmen plane einen Abbau von über 2000 Stellen. Camus gab jedoch "Überkapazitäten" im Raketenbereich zu. Das Airbus-Programm laufe hingegen gut.

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