Wirtschaft : Französisches Bankenkarussell

DANIEL RHEE-PIENING

Unter den französischen Banken herrscht ganz offensichtlich Torschlußpanik - jeder bietet jetzt für jeden.Was in Deutschland Anfang der neunziger Jahre über die Bühne gegangen ist - die Vorbereitung der Geldhäuser auf den größeren Markt in Euroland - haben die Institute im Nachbarland verschlafen.Nun müssen sie erst einmal auf dem heimischen Markt eine kritische Größe erreichen.Erst dann können sie sich wieder international orientieren, nach Partnern oder Übernahmekandidaten Ausschau halten.Dies ist der Hintergrund für die hektischen Aktivitäten der BNP.Nach dem Übernahmeangebot für den Credit Lyonnais nun also ein weiterer Versuch, sich per Zukauf zu vergrößern.Alarmiert war das Geldhaus durch den angekündigten Zusammenschluß von Société Générale und Paribas.

Doch so schnell wird es den Zusammenschluß nicht geben.Dazu ist das französische Geld- und Bankenwesen zu kompliziert.Im Hintergrund mischt die Regierung mit, die sich offiziell überrascht zeigt.Aber die französischen Banken sind viel zu lange ein verlängerter Arm der Administration gewesen, um ohne die Zustimmung der Politiker weitreichende Entscheidungen zu treffen.Über sie wurde immer versucht, Strukturpolitik zu betreiben.Noch möchte die Grande Nation die Neuordnung ihres Finanzsystems am liebsten ohne ausländische Beteiligung vornehmen.Doch da ist Europa vor.Bei der EU hat man schon für die Privatisierung der Credit Lyonnais Transparenz gefordert und wird wohl kaum einen monolitischen Block auf dem französischen Markt zulassen.Dies ist auch die Trumpfkarte auf die die deutschen Konkurrenten setzen.Sie warten auf neue Züge im französischen Spiel.

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