Wirtschaft : Franzosen greifen nach Kinowelt

Paris/München - Das Leipziger Medienunternehmen Kinowelt könnte schon bald einen neuen Besitzer bekommen. Wie das „Handelsblatt“ am Wochenende aus Branchenkreisen erfuhr, verhandelt Kinowelt-Eigentümer Michael Kölmel mit dem französischen Bezahlsender Canal Plus über einen Verkauf. Den Informationen zufolge könnte es noch in diesem Jahr zu einem Abschluss kommen. Vor Weihnachten gebe es weitere Gespräche, hieß es in den Kreisen. Allerdings könnte der Deal auch noch platzen. Weder Kinowelt noch Canal Plus wollten sich auf Anfrage zu den Unterredungen äußern.

Die Leipziger Kinowelt ist einer der größten DVD-Anbieter in Deutschland und beschäftigt 160 Mitarbeiter. Darüber hinaus verleiht und produziert das Unternehmen Filme für Kino und Fernsehen. Kölmel hat eine bewegte Geschichte hinter sich, denn der Unternehmer legte Ende 2001 mit dem Münchner Filmhändler Kinowelt AG eine der größten Pleiten des Neuen Marktes hin. Der Selfmademann hatte sich zuvor mit den Großen der Branche angelegt, mit Leo Kirch ebenso wie mit Bertelsmann. Mit einem Filmpaket, das er in den USA eingekauft hatte, übernahm sich Kölmel jedoch. Als dann noch die Börse abstürzte und eine Bank den Kredit kündigte, brach das Unternehmen zusammen.

Zwei Jahre später baute Kölmel die Kinowelt in Leipzig als nicht an der Börse notiertes Unternehmen wieder auf. Inzwischen gehört die Firma erneut zu den großen Spielern im deutschen Filmgeschäft. Im vergangenen Jahr kletterte der Umsatz um mehr als ein Drittel auf 107 Millionen Euro. Der Gewinn legte von 3,5 Millionen auf knapp fünf Millionen Euro zu. Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit einem ähnlichen Umsatz.

Darin nicht enthalten sind die Umsätze von Kölmels Buchhandelskette Zweitausendeins sowie aus Sportbeteiligungen. Kölmel gehört nicht nur das Leipziger Zentralstadion. Er hat sich auch an der Vermarktung von Fußballclubs beteiligt, darunter dem Erstligisten Karlsruhe, vor allem aber an Regionalliga-Vereinen wie Dynamo Dresden, Union Berlin oder Rot-Weiß Essen.

Das meiste Geld verdient die Kinowelt allerdings mit DVDs und dem Filmverleih. Zu den bekanntesten Kinowelt-Filmen der jüngsten Zeit gehört der Fußball-Streifen „Deutschland – ein Sommermärchen.“ ali/jojo (HB)

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