Wirtschaft : Franzosen kaufen Entsorgungsfirma Sulo

Für 1,45 Milliarden Euro Einstieg in den deutschen Markt / Alba-Gruppe hatte offenbar keine Chance

Alfons Frese

Berlin - Der französische Konzern Veolia kauft den zweitgrößten deutschen Müllkonzern Sulo für 1,45 Milliarden Euro und baut damit sein Umweltgeschäft in Deutschland aus. Das teilten Veolia am Freitag in Paris und der Verkäufer Apax in München mit. Die Berliner Alba-Gruppe, die im vergangenen Jahr als ein Interessent für Sulo gehandelt wurde, spielte in dem Verkaufsverfahren offenbar keine Rolle. Ob Alba überhaupt ein Angebot unterbreitet hat, wollte Firmensprecher Axel Bahr am Freitag nicht sagen. Alba-Miteigentümer Axel Schweitzer hatte im vergangenen August gesagt, wenn Sulo zum Verkauf stünde, könne das womöglich auch für Alba interessant sein. Sulo-Chef Jürgen Rauen hatte allerdings damals schon Zweifel an einem Verkauf seiner Firma an den kleineren Wettbewerber Alba: „Das ist außerhalb meiner Vorstellungswelt.“

Nun kauft Veolia Environnement das Hamburger Unternehmen von den Finanzinvestoren Blackstone Group und Apax Partners. Veolia werde mit diesem Ankauf seinen Umsatz im Entsorgungsgeschäft in Deutschland auf mehr als 1,5 Milliarden Euro steigern, teilte der Konzern mit. „Diese Akquisition bestätigt unsere Position als einer der führenden Anbieter im europäischen Abfallmanagementsektor“, sagte Denis Gasquet, Generaldirektor von Veolia Propreté. Die Bereiche Abfallsortierung und Recycling mit stofflicher Verwertung würden deutlich gestärkt. Die Umweltsparte von Veolia erwirtschaftete im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben einen Umsatz von 7,4 Milliarden Euro. Das Unternehmen arbeitet unter anderem in den Bereichen Entsorgungslogistik, Rohr- und Kanalservice und Recycling.

Das Unternehmen Sulo bietet Dienstleistungen rund um die Entsorgung von Wertstoffen an. Sulo ist nach eigenen Angaben in mehr als zehn europäischen Ländern sowie in Singapur aktiv. Mehr als 8000 Mitarbeiter arbeiten weltweit in mehr als 200 Dienstleistungs- und Anlagenstandorten. In Deutschland betreut das Unternehmen mehr als 100 000 Kunden. Der Umsatz liegt bei etwa 1,2 Milliarden Euro. Apax und Blackstone hatten Sulo 2004 für rund 500 Millionen Euro übernommen und vor allem durch Akquisitionen ausgebaut. Am wichtigsten war dabei die Übernahme des Entsorgers Cleanaway Ende 2005 für knapp 560 Millionen Euro.

Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) begrüßte die Übernahme. „Das Engagement der Veolia stabilisiert den deutschen Markt für Entsorgungswirtschaft“, sagte Verbandsgeschäftsführer Stephan Harmening. Der Konzern kenne den europäischen Entsorgungsmarkt und habe ein langfristiges Interesse am deutschen Markt.

Der Markt ist geprägt durch Übernahmen und Konzentrationen. Erst vor drei Wochen hatte Alba mitgeteilt, die Entsorgungstochter U-Plus der EnBW Energie Baden-Württemberg übernommen zu haben. Mit 1250 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 240 Millionen Euro ist U-Plus Marktführer in Baden-Württemberg. Mit U-Plus kommt die Alba-Gruppe auf 110 Gesellschaften in Deutschland, Polen, Bosnien-Herzegowina und Bulgarien und einen Umsatz von gut einer Milliarde Euro. Die mehr als 7000 Mitarbeiter sind in der Müllentsorgung, aber auch in der Vermarktung von Sekundärrohstoffen und im Betrieb von Recycling- und Produktionsanlagen tätig. Darüber hinaus hält Alba eine 46,1-prozentige Beteiligung an der Kölner Interseroh AG, die vor allem mit der Verwertung von Verpackungsmüll (Grüner Punkt), rund 1,2 Milliarden Euro umsetzt. Anlässlich der U-Plus-Übernahme hatte Alba-Vorstand Axel Schweitzer gesagt, sein Unternehmen „festige die Position in der Spitzengruppe auf dem nationalen Entsorgungs- und Recyclingmarkt und stelle seine aktive Rolle in einem sich konsolidierenden Markt eindrucksvoll unter Beweis“.mit dpa

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