Wirtschaft : Franzosen stecken bei Repower zurück

Atomkonzern Areva besteht nicht mehr auf der Mehrheit bei Windkraftfirma

Bernd Hops

Berlin - Im Übernahmekampf um den deutschen Windkraftanlagenhersteller Repower zeichnet sich ein Kompromiss ab. Am Dienstag schraubte einer der Bieter, der französische Atomtechnikkonzern Areva, seine Bedingungen zurück. Man werde sich auch mit weniger als der Hälfte der Repower-Aktien begnügen, teilte das Unternehmen mit. Damit hat der indische Konkurrent Suzlon die Möglichkeit, die Mehrheit zu erwerben.

Welches Potenzial in der Windkraft liegt, zeigte ebenfalls am Dienstag der deutsche Hersteller Nordex. Dessen Umsatz wird sich alle zwei Jahre etwa verdoppeln, prognostiziert der Vorstand. In das Rostocker Stammwerk sollen bis 2009 insgesamt 85 Millionen Euro investiert werden, um die Produktionskapazitäten auszubauen. Auch in China werden die Werke vergrößert. Zunehmend wichtiger wird der Auslandsmarkt für die deutschen Firmen (siehe Kasten).

Die Börse reagierte mit einem Aufschlag von 3,75 Prozent auf 29,32 Euro bei der Nordex-Aktie. Die Papiere von Repower kosteten 159,59 Euro – und damit weiterhin deutlich mehr als Suzlon bietet. Die indische Firma will 150 Euro pro Aktie zahlen, Areva 140 Euro. Durch die Änderung der Bedingungen von Areva verlängert sich die Frist, innerhalb der sich Aktionäre entscheiden müssen, bis zum 4. Mai. Suzlon reagierte zunächst nicht auf die neue Entwicklung. Der Repower- Vorstand teilte am Dienstag mit, mit beiden potenziellen Eignern gut leben zu können und empfahl den Aktionären, das Angebot von Suzlon anzunehmen, da es über dem von Areva liege.

Seit dem ersten Angebot von Areva ist der Unternehmenswert von Repower durch den Wettstreit um knapp 400 Millionen Euro gestiegen. Branchenexperten erwarten, dass es in Zukunft vermehrt zu Übernahmeversuchen von Herstellern von Windkraftanlagen kommen wird. Areva hatte seine Pläne damit begründet, dass man in dem Bereich mit überdurchschnittlich großem Wachstum rechne – insbesondere vor dem Hintergrund der Klimadebatte. Auch der französische Technologiekonzern Alstom hatte angekündigt, sich bis Jahresende im Bereich der erneuerbaren Energien zu verstärken.

Das vergangene Jahr hat der Windkraftbranche einen starken Schub gegeben. Repower schaffte nach einer längeren Verlustphase den Sprung in die schwarzen Zahlen. Ebenso erging es dem deutschen Konkurrenten Nordex. Der hatte 2005 vor Steuern und Zinsen (Ebit) noch einen Verlust von 5,3 Millionen Euro eingefahren, 2006 gab es ein Plus von 16,6 Millionen Euro. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt. Die Bestellungen im vergangenen Jahr erreichten einen Gesamtwert von 767 Millionen Euro, in diesem Jahr werden laut einer aktuellen Präsentation für Analysten eine Milliarde Euro erwartet. Vergangene Woche stellte Nordex auch den größten Auftrag der Unternehmensgeschichte vor. Der australische Investor Babcock & Brown will bis 2011 Anlagen für schätzungsweise bis zu 700 Millionen Euro kaufen. Das Wachstum soll auch zu einem höheren Profit bei Nordex führen. Zuletzt blieben vom Umsatz drei Prozent als Ebit in der Unternehmenskasse hängen, in diesem Jahr sollen es sechs Prozent werden.

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