Wirtschaft : Franzosen wollen mehr Einfluß bei Spar

HAMBURG (dpa).Der französische Großaktionär Intermarché will seinen Einfluß auf die deutsche Spar-Organisation verstärken und strebt an, seine Kapitalanteile zu erhöhen."Es ist unser konkretes Ziel in den nächsten fünf Jahren, die Intercontessa AG in St.Gallen zu 100 Prozent zu übernehmen", sagte Alain Rocher, Generalsekretär der Intermarché, am Mittwoch in Hamburg.Die Intercontessa hält gegenwärtig 75 Prozent plus eine Aktie am Stammkapital der Spar Handels-AG (Schenefeld).An der Intercontessa ist wiederum Intermarché mit 51 Prozent beteiligt, die übrigen 49 Prozent liegen bei Altaktionären der Spar.

Durchgerechnet halte die Intermarché gegenwärtig insgesamt 45,8 Prozent der Anteile an Spar, erklärte Rocher.Daraus ist zu schließen, das auch von den freien Stammaktien von 25 Prozent sich bereits etliche im Besitz der Franzosen befinden.Der Generalsekretär ließ indes offen, ob er den Anteil dieser Aktien weiter erhöhen wolle.Spar und Intermarché sind gemeinsam mit einem Umsatz in Höhe von rund 60 Mrd.DM der größte Lebensmittel-Einzelhändler in Europa.Über eine gemeinsame Einkaufsgesellschaft wollen sie ihre Einkaufsmacht bündeln und allein in diesem Jahr bereits zwölf Mrd.DM abwickeln."Wir versprechen uns dadurch, je nach Lieferanten, Einsparungen zwischen einem und drei Prozent", sagte Spar-Chef Helmut Dotterweich.Es gehe aber nicht nur um die Preise, sondern auch die Leistungen.

Die Strategie der verbündeten Spar/Intermarché-Gruppe betrifft vor allem die großen multinationalen Hersteller von Nahrungsmitteln wie Unilever oder Nestlé."Allein mit unseren 20 größten Lieferanten wickeln wir 47 Prozent des Umsatzes ab", sagte Dotterweich.Insgesamt soll mit 400 Lieferanten über neue Lieferbeziehungen verhandelt werden.Ein weiteres wichtiges Feld der Zusammenarbeit sei die Entwicklung von Eigenmarken.Gegenwärtig habe Spar 800 Eigenmarken, von denen 550 die gleichen Produkte wie Intermarché abdeckten.Hier könne ein erhebliches Einsparpotential realisiert werden.Mittelfristig wolle Spar den Umsatz mit Eigenmarken von jetzt 12,6 auf 20 Prozent steigern.

Die Spar selbst sieht in dem schlechten konjunkturellen Umfeld in Deutschland nur mit neuen Märkten und dem Zukauf von Unternehmen echte Chancen auf Wachstum."Flächenbereinigt ist mit weiter rückläufigen Umsätzen zu rechnen; das vergangene Jahr war wohl das schlechteste für den Einzelhandel in den fünf rezessiven Jahren", sagte Dotterweich.Durch die Übernahme von anderen Unternehmen werde zwar der Umsatz um zehn Prozent steigen, doch die Ergebnisse seien belastet.Die Dividende für die Kleinaktionäre soll unverändert gehalten werden.

Im vergangenen Jahr erreichte Spar nach bereits zuvor veröffentlichen Zahlen einen Umsatz von 14,1 (1996: 13,1) und einen Jahresüberschuß von 71 (107,5) Mill.DM.Das operative Ergebnis von 164 (182) Mill.DM wurde maßgeblich vom Großhandel und den Discountmärkten erwirtschaftet, während die Verbrauchermärkte im Minus operierten.Mit einem Marktanteil von 10,6 Prozent nimmt die Spar-Organisation unter den Lebensmittel-Einzelhändlern in Deutschland den fünften Rang ein.Der Handel mit Lebensmitteln wird hierzulande von sieben Unternehmen dominiert, die knapp 94 Prozent des Marktes ausmachen.

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