Wirtschaft : Fraport hat Angst vor den Grünen

Der Ausbau des Frankfurter Flughafens ist der Zankapfel bei den Koalitionsverhandlungen in Hessen.

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Zu eng: Die Flughafengesellschaft will ein drittes Terminal bauen, die Arbeiten sollen 2015 beginnen. Foto: Boris Roessler/dpa
Zu eng: Die Flughafengesellschaft will ein drittes Terminal bauen, die Arbeiten sollen 2015 beginnen. Foto: Boris Roessler/dpaFoto: dpa

Frankfurt am Main - Er steht im Mittelpunkt der Koalitionsverhandlungen von CDU und Grünen in Hessen. Und er gehört zu den Themen, um die am heftigsten gerungen wird: der Frankfurter Flughafen. Er ist der mit Abstand größte Airport in Deutschland, Heimatbasis der Lufthansa und eine der größten Arbeitsstätten in Deutschland. Und er wird und soll nach dem Willen des Flughafenbetreibers Fraport weiter wachsen.

Mitte September hat das Unternehmen beim Bauamt in Frankfurt den Bauantrag für den ersten Abschnitt eines dritten Terminals eingereicht, in einem Jahr könnte er durch sein, 2015 sollen die Arbeiten beginnen. Die Grünen freilich halten es – bislang – für überflüssig, die CDU ist dafür. Allerdings spricht Ministerpräsident Volker Bouffier neuerdings von einem „ergebnisoffenen“ Prozess. Akuter dürfte das Thema Lärm sein. Die Grünen fordern zumindest bislang eine Ausweitung des Nachtflug-Verbots.

Beim Flughafen-Betreiber Fraport hält man sich bedeckt. Solange es keine konkreten Ergebnisse gebe, werde man sich zu Schwarz-Grün nicht äußern, sagt Fraport-Sprecher Dieter Hulick. „Aber wir sind überzeugt, dass sich beide Seiten der Bedeutung des Flughafens bewusst sind“. Ähnlich zurückhaltend ist die Lufthansa. Kein Ton zu Schwarz-Grün ist vom Vorstand zu hören. Die Begeisterung über mögliche Einschränkungen dürfte aber eher begrenzt sein: Schon das seit zwei Jahren geltende Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr hat der Airline erhebliche Probleme bereitet. Für Lufthansa ist Frankfurt das mit Abstand wichtigste Drehkreuz. Im vergangenen Jahr wurde ein neuer nur für Lufthansa reservierter Flugsteig eingeweiht, die Fracht-Tochter Cargo investiert bis 2020 in Frankfurt rund zwei Milliarden Euro in neue Jets und ein neues Frachtzentrum.

Deutlich wird dagegen die Piloten-Vereinigung Cockpit. Deren Präsident Ilja Schulz warnt vor zusätzlichen Betriebsbeschränkungen. „Der für ganz Deutschland wichtige Wirtschaftsmotor Flughafen Frankfurt stottert aufgrund der bestehenden Betriebsbeschränkungen schon jetzt“. Vor allem Bouffiers Äußerungen erzürnen Schulz. Er stelle Positionen leichtfertig zur Disposition, riskiere damit, „dass das Herzstück der deutschen Luftfahrtinfrastruktur im harten internationalen Wettbewerb weiter an Boden verliert“. Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert mit Blick auf die Arbeitsplätze, am Ausbau festzuhalten, warnt vor faulen Kompromissen.

Im Blick auf kurzfristig mögliche Schritte dürfte es bei den Verhandlungen vor allem um den Fluglärm gehen. Die Grünen forderten eine Verlängerung des Nachtflugverbots von 22 bis 6 Uhr. In den Augen von Experten des Flughafens und der Airlines wäre das fatal. Dann wäre die Drehkreuz-Funktion von Frankfurt in Gefahr. Lufthansa hat bereits die späten Abflugzeiten von der Nähe zu 23 Uhr nach vorne gezogen, um zu vermeiden, dass die Jets nicht abheben können.

Offenbar gelten jetzt „Lärmpausen“ als eine Option. Mal könnte so gestartet und gelandet werden, dass der eine Teil der Anwohner sieben Stunde Ruhe habe, mal ein anderer. Fraport selbst betont, man tue alles, um die Lärmbelastung zu verringern. Das sei, so Fraport-Chef Stefan Schulte, eine Daueraufgabe.

Zweites wichtiges Thema ist der Ausbau. „Alle Prognosen bestätigen unsere Erwartung eines nachhaltigen Wachstums in Frankfurt. Mit dem neuen Terminal schaffen wir die Infrastruktur für den Bedarf des kommenden Jahrzehnts“, sagt Schulte. Die derzeitigen Kapazitäten würden noch etwa acht Jahre reichen. Das fertig geplante Terminal 3 im Süden des Flughafens, dessen Bau höchstrichterlich genehmigt ist, soll im ersten Teil ab 2015 gebaut und ab 2021 mit 24 Flugzeug-Brücken für weitere 14 Millionen Passagiere bereitstehen. Termine für den Bau der beiden weiteren Abschnitte sind offen.

Die Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau und für ein strengeres Nachtflugverbot betrachten das Geschehen mit allergrößter Skepsis. Sie sprechen von einer enttäuschenden Entwicklung. Am Montag haben sie zum 80. Mal am Flughafen demonstriert. Es wird nicht die letzte Demonstration gewesen sein.

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