Frau im Bahn-Vorstand : BMW-Managerin Hanagarth wird höchste Eisenbahnerin

Die Bahn bekommt wieder einen Technik-Vorstand. Die BMW-Managerin Heike Hanagarth wechselt vom Autohersteller zum Staatskonzern.

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Heike Hanagarth. Von der Straße auf die Schiene. Foto: dpa
Heike Hanagarth. Von der Straße auf die Schiene.Foto: dpa

Berlin - Eine Frau wird sich im Vorstand der Deutschen Bahn AG künftig mit dem undankbarsten Thema des Staatskonzerns beschäftigen: der Technik. Auf einer Sondersitzung beschloss der Aufsichtsrat der Bahn am Montag in Berlin, dass die BMW-Managerin Heike Hanagarth den neuen Vorstandsposten übernimmt. Mit der 54-Jährigen sitzt dann, wie von Unternehmenschef Rüdiger Grube gewünscht, wieder eine Frau im Vorstand. „Somit ist in einem großen deutschen Konzern erstmals eine Frau ausschließlich für Technik zuständig“, sagte Grube am Montag nach der Aufsichtsratssitzung. Die Suche nach einer geeigneten Frau für den Vorstandsposten hatte sich dem Vernehmen nach schwierig gestaltet. Wann Hanagarth ihre Stelle antreten kann, ist noch offen.

In Dax-Konzernen sind die wenigen Frauen in den Vorständen meist für Personal zuständig. Beim Autobauer Opel endete die Karriere einer Frau als Vorstand für Forschung und Entwicklung – eine Domäne männlicher Ingenieure – nach nur wenigen Monaten: Rita Frost trat im vergangenen Jahr zurück. Bei der Bahn war zuletzt mit Margret Suckale eine Frau im Vorstand, die im Zuge der Bespitzelungsaffäre 2009 zu BASF wechselte und dort inzwischen wie bei der Bahn im Vorstand für Personal zuständig ist.

Die promovierte Ingenieurin Hanagarth, die in Karlsruhe Maschinenbau studiert hat, hatte zuletzt die Motorenfertigung im BMW-Werk München mit rund 2000 Mitarbeitern geleitet. Davor führte sie unter anderem die Tochter Rotorion der heutigen Tognum (früher MTU- Friedrichshafen). Ihre Karriere in der freien Wirtschaft begann sie 1988 bei Daimler, wo sie Assistentin der Werksleitung im Mannheimer Werk für Nutzfahrzeugmotoren wurde.

Wegen der Probleme mit neuen Zügen und deren Zulassung gilt die Aufgabe bei der Deutschen Bahn als sehr wichtig und ebenso schwierig. So gibt es sowohl mit Siemens in der Frage der Lieferung von neuen ICEs als auch mit Bombardier wegen neuer Regionalzüge Auseinandersetzungen. Erst am Wochenende hatte es Berichte gegeben, wonach sich die Lieferung von 16 Siemens-ICEs des Typs Velaro D erneut verzögert. Mit einer Übergabe der ersten Züge an die Bahn wird jetzt erst ab April 2014 gerechnet. Zudem ist der Austausch der ICE-Achsen nach der Entgleisung eines Zuges im Kölner Hauptbahnhof noch nicht umgesetzt. Hier gibt es Probleme bei der Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt.

Der Aufstieg von Heike Hanagarth in den Vorstand eines Konzerns mit rund 40 Milliarden Euro Umsatz und 300 000 Beschäftigten gilt deswegen als ungewöhnlicher Karrieresprung. Nach Angaben aus Kreisen der Bahn läuft der Vertrag allerdings zunächst nur drei Jahre, üblich sind sonst Fünf-Jahres-Verträge. Bisher wurde der Bereich Technik von Infrastrukturvorstand Volker Kefer mitgeführt. Nun sind beide Ressorts bei der Bahn wieder getrennt. Besonders die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat hatte auf ein eigenes Technik-Ressort gepocht, das es in der Vergangenheit bei der Bahn bereits gegeben hatte. „Wir verbinden mit der Schaffung eines eigenen Technikressorts die Erwartung, dass die offensichtlichen Probleme in diesem Bereich nun schnell gelöst werden“, sagte der Chef der Eisenbahner Gewerkschaft EVG, Alexander Kirchner. Der Vize-Chef des Aufsichtsrates verlangte zudem, es müsse nun dafür gesorgt werden, dass die Fahrzeughersteller endlich ihren Lieferverpflichtungen nachkämen. „Die Eisenbahn kann und muss noch attraktiver für Reisende werden. Auch hier sehen wir noch reichlich Potenziale.“

Bahn-Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht bemerkte zu der Personalentscheidung, die Bahn stehe vor großen technischen Herausforderungen. Mit der Berufung Hanagarths konzentriere der Konzern seine Kräfte, um diese Aufgaben zu lösen. mit rtr/dpa

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