Frauen in der arabischen Geschäftswelt : Geschäftssinn unterm Kopftuch

Die arabische Welt macht es Frauen zum Teil schwer, Firmen zu gründen. Unternehmerinnen, die es trotzdem geschafft haben, berichten davon in Berlin.

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Arbeiten in patriarchalen Verhältnissen. Manche Frauen wagen in arabischen Ländern die Selbständigkeit. Und einige sind darin auch sehr erfolgreich. Aber die Hindernisse sind oft nur schwer zu überbrücken.
Arbeiten in patriarchalen Verhältnissen. Manche Frauen wagen in arabischen Ländern die Selbständigkeit. Und einige sind darin auch...Foto: Imago/

Probieren, scheitern, noch mal neu anfangen: Wenn Sara Al Madani in ihrem Berufsleben eines gelernt hat, dann ist es, niemals aufzugeben – und seine Träume auch gegen Widerstände in der Familie, der Wirtschaft oder der Gesellschaft durchzusetzen. „Ich wollte schon immer meine eigene Firma gründen“, sagt die junge Designerin aus Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) über ihre unternehmerischen Ambitionen. Als Modedesignerin wollte Madani erfolgreich sein; im zarten Alter von 15 Jahren eröffnete sie ihren Eltern, dass sie Unternehmerin werden wollte und nun auf der Suche nach geeigneten Geschäftsräumen sei.

Das Modelabel Rouge Couture ist über Dubai hinaus berühmt

Die junge Frau lacht, als sie auf dem Podium des deutsch-arabischen Businessforums im Berliner Luxushotel Ritz-Carlton an die Anfänge ihrer Karriere zurückdenkt. Heute leitet die 30-Jährige in ihrer Heimat ein Fashion-Imperium und gehört zu den angesehensten Geschäftsleuten in der Stadt: Ihr Modelabel Rouge Couture kreiert moderne Variationen des traditionellen Kleidungsstücks Abaja und ist mittlerweile über die Grenzen des Golfstaats hinaus berühmt. Vor kurzem wurde die junge Frau in den Vorstand der Industrie- und Handelskammer von Dubai gewählt.

Madini will Frauen in der Region Mut machen

Mit ihrer Erfolgsgeschichte will Madini anderen Frauen in der Region Mut machen. Denn statistisch gesehen ist ihre Karriere als Unternehmerin im mittleren Osten immer noch eine Ausnahme. Zwar partizipieren in arabischen Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, Jordanien, Syrien und neuerdings auch in Saudi-Arabien und im Iran immer mehr Frauen am Wirtschaftsleben – die Gründerquote unter Frauen ist in diesen Ländern allerdings gering. Laut der internationalen Studie Global Entrepreneurship Monitor gründen in der arabischen Welt drei Mal mehr Männer als Frauen ein Unternehmen; in Deutschland liegt die Gründerquote von Frauen derzeit bei 13 Prozent.

Frauen in Saudi-Arabien dürfen kein Auto fahren

Lina K. Almaeena ist in Saudi-Arabien unter die Geschäftsfrauen gegangen. Wenn sich die Chefin der Jeddah United Sports Company (JUSC) in ihrem Land fortbewegen möchte, darf sie sich niemals selbst hinter das Steuer eines Fahrzeugs setzen, so will es das Gesetz der absoluten Monarchie. Auch Reisen oder Arbeiten ist den Frauen im Land nur mit der Erlaubnis eines Beschützers möglich. Sie sind zahlreichen Einschränkungen auf dem Arbeitsmarkt ausgesetzt, müssen sich in der Öffentlichkeit verschleiern und dürfen nicht mit Männern außerhalb der Verwandtschaft ausgehen.

Das Land befindet sich um Umbruch

Unter diesen Rahmenbedingungen setzt sich die Unternehmerin und ehemalige Basketballnationalspielerin von Saudi-Arabien dafür ein, dass weibliche Sportlerinnen in ihrem Land anerkannt werden und wie Männer auch an Wettbewerben teilnehmen dürfen. „Das Thema war bei uns im Land viele Jahrzehnte lang tabu“, sagt Almaeena. „Als ich 2009 mit meinem Basketballteam nach Jordanien gereist bin, war das ein Schock für die saudische Gesellschaft“, berichtet Almaeena. Viele Honoratioren des Landes hätten damals öffentlich zu Protokoll gegeben, dass sie den Auftritt der Basketballfrauenmannschaft im Nachbarland nicht für richtig hielten. „Aber seit einiger Zeit liegt Wandel in der Luft.“ Tatsächlich hat sich dem Tod von König Abdulluh Anfang 2015 für die Frauen in Saudi-Arabien vor allem auf der politischen Ebene etwas geändert: Im vergangenen Jahr durften sie sich auf kommunaler Ebene erstmals zur Wahl stellen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate fördern Frauen

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind da schon ein paar Schritte weiter. „Unser Staat hat nicht nur die jüngste Ministerin der Welt“, sagt Azza Al Hashimi mit Blick auf die politische und wirtschaftliche Integration von Frauen in ihrem Land. Die 24-Jährige ist als Corporate Affairs Manager von Al-Futtaim Automotive für den Kontakt ihrer Firma zur Admininstration und zu den Universitäten zuständig. Al Hashimis Unternehmen verkauft in Dubai neue und gebrauchte Autos unterschiedlicher Marken. „Unsere Regierung unterstützt Frauen sehr“, sagt Al Hashimi. Aus ihrer Sicht stehen den weiblichen Beschäftigten im Land die selben beruflichen Möglichkeiten offen wie den männlichen. „Frauen sind hierzulande in nahezu allen Wirtschaftsbereichen vertreten und konkurrieren mit den Männern um die besten Jobs“, sagt Al Hashimi. Die Vereinigten Arabischen Emirate gelten in der Region als eine der wirtschaftlich stabilsten Nationen: Der Staat verzeichnete in den vergangenen zehn Jahren nur ein einziges Mal ein negatives Wachstum.

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