Wirtschaft : Frauen sind im Osten weniger benachteiligt „Tag der Entgeltgleichheit im Betrieb“

Berlin - Frauen arbeiten von heute an bis zum Jahresende ohne Lohn. Jedenfalls dann, wenn man die unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen zugrunde legt. Mit dieser ungewöhnlichen Botschaft machte die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) am Donnerstag auf den heutigen „Tag der Entgeltgleichheit im Betrieb“ aufmerksam. Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen liegt in Westdeutschland nach Angaben der Gewerkschaft aktuell bei 24 Prozent und damit so hoch wie in kaum einem anderen EU-Land, wohingegen im Osten nur ein Unterschied von sieben Prozent besteht.

„Frauen haben immer noch geringere Aufstiegschancen und werden gerade im Angestelltenbereich oft in niedrigeren Tarifgruppen eingestuft als Männer“, sagte das IG-BAU-Vorstandsmitglied Ulrike Laux. Die Gewerkschaft fordert eine gesetzliche Regelung zur Förderung der Gleichstellung – und stößt damit durchaus auf Widerstand. Einer Allensbach-Studie zufolge sind mehr als die Hälfte der befragten Männer der Meinung, dass es mit der Gleichberechtigung langsam genug sei. Ein Viertel glaubt sogar, dass es schon übertrieben wurde. „Für uns reicht es mit der Gleichstellung erst dann, wenn es auch keine Frage des Geschlechts mehr ist, wer die Führungsposition bekommt“, sagte Laux dazu.

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftbundes (DGB), Elke Hannack, forderte „politische Weichenstellungen zu Überwindung der Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen“. Lohndiskriminierung und -drückerei seien unerträgliche Benachteiligungen. Die Unternehmer sollten sich vor Augen halten, dass eine gerechte Bezahlung motivationsfördernd wirke.

Doch es liegt nicht nur an den Arbeitgebern, dass Frauen im Schnitt weniger verdienen: Einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge sind gut vier Fünftel aller Teilzeitbeschäftigten weiblich. Die meiste Teilzeit gibt es im Gesundheitswesen, dem öffentlichen Dienst und im Einzelhandel. In den eher von Männern dominierten Branchen wie Bau- oder Industrie sind Teilzeitarbeitsplätze eher eine Rarität. Letztes Jahr waren es weniger als fünf Prozent, wohingegen über alle Branchen hinweg 36 Prozent aller Neueinstellungen Teilzeit waren. Auch deshalb, weil Teilzeit vorher nicht erwerbstätigen Menschen eine Möglichkeit für den Einstieg in den Arbeitsmarkt gibt. tts

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