Frauenförderung : In Deutschland gibt es zu wenig weibliche Chefs

Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey ergab, dass die Unternehmen mit den meisten Frauen in der obersten Führungsetage am erfolgreichsten sind. Braucht Deutschland eine Frauenquote für Posten in Entscheidungsgremien?

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Thomas Sattelberger (60) hat in den vergangenen Tagen viel Fanpost von Frauen bekommen. Von erfolgreichen Frauen. Auch aus den Führungsetagen anderer Dax-Konzerne habe er zehn Mails erhalten, sagt der Personalvorstand der Deutschen Telekom. Die Managerinnen hätten sich bei ihm bedankt, dass endlich einmal einer etwas bewege. Sattelberger hat vergangene Woche angekündigt, dass die Telekom bis 2015 weltweit 30 Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen mit Frauen besetzen will. Derzeit sind es bei der Telekom in Deutschland nur zwölf Prozent.

Die Frage, ob eine Quote tatsächlich dazu führt, dass qualifizierte Frauen bessere Aufstiegschancen haben, ist umstritten. Zudem wollen Frauen eines auf keinen Fall sein: eine Quotenfrau.

In Deutschland gibt es Frauenquoten bislang nur in der Politik und im öffentlichen Dienst. In Behörden oder Universitäten werden Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt. Bei der Partei Die Grünen geht die Quote noch weiter. Hier muss mindestens die Hälfte aller Ämter weiblich besetzt sein.

In der Wirtschaft ist der Frauenanteil in Toppositionen deutlich geringer. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat ermittelt, dass in den 100 umsatzstärksten Unternehmen hierzulande von 441 Vorstandsmitgliedern nur vier Frauen sind. Das ist eine Quote von 0,9 Prozent. Sie lag schon einmal höher, bei 1,3 Prozent. „Die Selbstverpflichtung der Wirtschaft aus dem Jahr 2001, mehr Frauen in die Führungsetagen zu bringen, hat offensichtlich nichts bewirkt“, konstatiert Elke Holst, Autorin der DIW-Studie. Sie habe volles Verständnis, wenn verbindlichere Maßnahmen eingefordert werden. Dass am Ende Frauen nur wegen der Quote befördert würden, hält sie für einen Mythos. „Die Fakten sprechen dagegen. Es gibt in Deutschland ausreichend Frauen, die motiviert und gut ausgebildet sind“, sagt Holst.

Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey ergab, dass die Unternehmen mit den meisten Frauen in der obersten Führungsetage am erfolgreichsten sind. „Dass gemischte Teams erfolgreicher sind als reine Männerteams, sollte für Unternehmen Grund genug sein, bei der Besetzung von Vorständen und Aufsichtsräten intensiver nach weiblichen Talenten zu suchen“, sagt Claudia Funke, Direktorin bei McKinsey. Eine Quote könne im Einzelfall hilfreich sein, sei aber oft ein zu grobes Instrument. Sie halte mehr davon, wenn Unternehmen darauf achten, dass für die Besetzung von Führungspositionen ein fairer Anteil von Frauen in der engeren Wahl sei.

Monika Schulz-Strehlow, Präsidentin des Vereins Frauen in die Aufsichtsräte, ist dagegen überzeugt: „Es muss mehr Druck her.“ Der Verein hat sich vorgenommen, die Quote in Aufsichtsräten anfänglich auf 25 Prozent zu heben. „Wir setzen bei den Aufsichtsräten an, weil man dort Veränderungen schneller umsetzen kann“, sagt Schulz-Strehlow. „Die Sichtbarkeit an der Spitze ist enorm wichtig, um ins Unternehmen hineinzuwirken.“

Auch Klaus-Peter Müller, Vorsitzender der deutschen Corporate Governance Kommission, die Regeln für gute Unternehmensführung erarbeitet, sagt: „In den Nominierungsausschüssen deutscher Unternehmen, die Vorschläge für die Besetzung von Aufsichtsräten unterbreiten sollen, werden regelmäßig zu wenige Namen von qualifizierten Frauen genannt.“ Es würden aber Persönlichkeiten in den Gremien gebraucht, „die andere soziale Kompetenzen mitbringen als Männer“. In der Kommission werde gerade diskutiert, die bisherigen Empfehlungen für mehr Vielfalt in den Kontrollgremien so zu konkretisieren, dass jeder Aufsichtsrat künftig seine Planung für eine angemessene Vertretung von Frauen und ausländischen Experten im Aufsichtsrat darlegt. Eine Frauenquote, wie es sie zum Beispiel in Norwegen gibt, will die Kommission nicht.

Elke Holst vom DIW vertraut auf den Wettbewerb. Die anderen Unternehmen müssten sich jetzt ranhalten, damit die Telekom ihnen nicht die besten Frauen wegschnappt. Meinung

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