Fred Irwin, Opel-Treuhand : "Eine Insolvenz will niemand"

Fred Irwin, Chef des Beirats der Treuhand, hofft auf eine Lösung für Opel vor der Bundestagswahl.

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Ein Amerikaner in Berlin. Fred Irwin kritisiert die Festlegung der Politik auf Magna. -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Herr Irwin, wer entscheidet über die Zukunft von Opel?



Aus rechtlicher Sicht natürlich die Opel- Treuhand, keine Frage. In der Treuhand sind GM, der Bund und die Länder vertreten, und alle sagen ihre Meinung. Am Ende wird abgestimmt. Die Treuhand unterschreibt den Vertrag.

Die Entscheidung fällt nicht in Detroit?

Nein – mit einer Ausnahme. GM steht es frei, sich für keines der beiden Angebote zu entscheiden.

Und dann?

Dann gibt es zwei Möglichkeiten: GM behält Opel, oder es wird Insolvenz angemeldet. Ich kann Ihnen aber versichern: Eine Insolvenz will niemand. Auch GM wird alles versuchen, um eine Insolvenz zu vermeiden.

Wenn GM Opel behält, ist die Treuhand nicht mehr gefragt?

Genau so ist es. Allerdings müsste GM das Brückendarlehen des deutschen Staates von 1,5 Milliarden Euro zurückzahlen. Erst dann könnte die Treuhand aufgelöst werden.

Wer entscheidet, wenn GM verkaufen will und es ein Patt in der Treuhand gibt?

Ich glaube nicht, dass es ein Patt geben wird. Die Treuhand kann frei nach kaufmännischen Gesichtspunkten entscheiden und wird das tun, sobald es so weit ist. Alle Beteiligten haben sich darauf vertraglich geeinigt.

Haben nicht am Ende Sie die entscheidende Stimme?

Nein. Meine Berufung läuft bis zum 1. Dezember, und bis dahin habe ich gar kein Stimmrecht. Nach Ablauf dieser Frist hat der Vorsitzende ein Stimmrecht, aber offen ist, ob ich das sein werde. Wenn mich alle Beteiligten bitten weiterzumachen und mein Arbeitgeber zustimmt, bin ich gerne dazu bereit. Aber so weit sind wir noch nicht.

Wann, glauben Sie, wird eine Entscheidung gefallen sein?

Wann kommt das nächste Erdbeben in Berlin?

Das dauert noch. Über Opel wird doch hoffentlich schneller entschieden.

Natürlich (lacht). Es sind viele Termine im Gespräch, und ich kann Ihnen kein Datum sagen. Der GM-Verwaltungsrat kommt in der nächsten Woche zusammen, und ich hoffe, dass er diesmal eine klare Empfehlung ausspricht. Jeder Tag, den es länger dauert, schadet Opel. Aber ich sage Ihnen auch: Der Treuhand-Vertrag läuft bis zum 31. Dezember 2014.

Halten Sie eine Entscheidung vor der Bundestagswahl für wahrscheinlich?


Es gibt keine unterschriftsreifen Verträge, und der GM-Verwaltungsrat hat sich noch nicht geäußert. Trotzdem bin ich zuversichtlich. Ich hoffe, dass die Entscheidung noch vor dem 17. September fällt, wenn die IAA beginnt.

Wie festgelegt ist GM auf den Verkauf?

Ich werde nicht für GM sprechen. Sie müssen verstehen, dass es ein neues Unternehmen ist. GM hat einen neuen Vorstandschef, der Verwaltungsrat hat neue Mitglieder. Auch hat sich die ökonomische Lage verändert. GM befindet sich nicht mehr in der gleichen schwierigen Lage wie noch vor einigen Monaten. Bei dem Angebot von RHJ sieht man in Detroit keine Hindernisse, bei Magna schon. Alle Szenarien werden jetzt noch einmal geprüft.

Halten Sie es für denkbar, dass RHJ eine Übernahme gemeinsam mit einem Partner aus der Autobranche erwägt?

Alles ist möglich. Alles. Sie können irgendeine Konstellation nennen, und sie ist denkbar.

Wie festgelegt empfinden Sie den Bund und die Länder?


Viel zu festgelegt. Die deutsche Politik hat sich viel zu früh festgelegt. Aber eines will ich schon sagen: Roland Koch ist ein Held. Ohne Roland Koch gäbe es das Treuhand-Modell nicht. Er hat sich das Konzept ausgedacht.

Wie nützlich sind die Bemühungen der deutschen Politik, bei der amerikanischen Politik Stimmung zu machen?

Es ist immer nützlich, die transatlantischen Beziehungen zu pflegen. Aber die amerikanische Regierung hat sehr deutlich gemacht, dass sie sich nicht in diese Frage einmischt. Manche der deutschen Bemühungen laufen also ins Leere.

Das Interview führte Moritz Döbler.

Der gebürtige New Yorker Fred Irwin (67) leitet den Beirat der Opel-Treuhand, die 65 Prozent der Anteile des Autoherstellers hält. Im Beirat sitzen zwei Vertreter von GM und je ein Vertreter des Bundes und der Länder. Irwin hat den Vorsitz unentgeltlich übernommen. Seit mehr als 40 Jahren lebt er in Deutschland, seit 25 Jahren ist er für die amerikanische Bank Citigroup tätig, aber derzeit beurlaubt. Ferner ist er Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (Amcham). Er hat Wirtschaft und Jura studiert. mod

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