Fresenius : Erst die Tochter, dann die Mutter

Zehn Jahre nach seiner Dialysesparte steigt auch der Gesundheitskonzern Fresenius in den Dax auf.

David C. Lerch

Düsseldorf - Es sind nur noch ein paar Tage, dann beendet die Deutsche Börse aller Voraussicht nach eine kuriose Konstellation der deutschen Unternehmenslandschaft. Der Gesundheitskonzern Fresenius steigt ab dem 23. März wohl in den Kreis der 30 Dax-Konzerne auf und schließt damit die Lücke zu seiner Tochter Fresenius Medical Care (FMC), die bereits seit 1999 dazugehört. Die Deutsche Börse wollte noch am Mittwochabend über die Dax-Neubesetzung entscheiden. Die Entscheidung stand bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe aber noch aus.

Dass ein Unternehmen gleich mehrfach zu den wichtigsten deutschen Aktien zählt, ist nicht ganz neu. Siemens stellte von 2000 bis 2002 mit seinen damaligen Töchtern Epcos und Infineon sogar drei Dax-Mitglieder. Epcos musste 2006 den Dax verlassen. Für Infineon ist jetzt Schluss. Genauso wie für die Postbank, die, wie Beobachter erwarten, wohl durch den Versicherungskonzern Hannover Rück ersetzt wird.

Bei Fresenius erklärt sich das ungewöhnliche Verhältnis zwischen Mutter und Tochter aus einer ungewöhnlichen Firmengeschichte und einem aggressiven Expansionskurs. Die Wurzeln des Konzerns sind sehr alt. Die bereits 1462 in Frankfurt am Main gegründete Hirsch-Apotheke baute Eduard Fresenius 1912 zu einem kleinen Produktionsbetrieb für Arzneimittel aus, in den 1930er Jahren zieht die Firma nach Bad Homburg, wo es bis heute seinen Sitz hat. Nach dem Krieg wächst aus der ehemaligen Apotheke ein zunächst nationaler Konzern. 1986 geht Fresenius an die Börse, 1990 knackt das Unternehmen erstmals die Umsatzmarke von einer Milliarde D-Mark. Besonders gut gehen zwei Produkte: Infusionslösungen und Medikamente für die Dialyse, also die Blutreinigung bei Nierenversagen.

1996 traut sich Fresenius dann auch über den großen Teich und ins Krankenhausgeschäft. Der Konzern übernimmt das Unternehmen National Medical Care, das in den USA zahlreiche Dialysekliniken betreibt. Um den Deal zu finanzieren, geht die neue Tochter 1996 zeitgleich in Frankfurt und New York an die Börse. „Das wäre damals anders gar nicht möglich gewesen“, sagt Konzernsprecher Bernd Ebeling. Heute ist FMC ein solides Unternehmen, das dank des eher konjunkturunabhängigen Gesundheitsmarktes den Umsatz 2008 um neun Prozent auf 10,6 Milliarden Euro steigern konnte. Der Gewinn wuchs um 14 Prozent auf 818 Millionen Euro. Der Gesamtkonzern lag 2008 bei Umsatz und Gewinn um je 13 Prozent über Vorjahr.

Die Behandlung von Dialysepatienten ist nach wie vor die große Stütze des Fresenius-Konzerns, aber auch andere Bereiche expandieren. Fresenius Kabi konzentriert sich auf Infusionen und die Verpflegung in Krankenhäuser und soll besonders auf dem amerikanischen Markt wachsen, nachdem 2008 der US-Pharmahersteller APP Pharmaceuticals für 2,4 Milliarden Euro übernommen wurde. Auch die Krankenhauskette Helios, einer der größten deutschen Klinikbetreiber mit Sitz in Berlin, ist unter dem Dach von Fresenius. 62 Häuser führt Helios deutschlandweit, darunter das Behring-Krankenhaus in Berlin-Zehlendorf und das Klinikum in Berlin-Buch. In den nächsten Jahren sollen weitere Kliniken hinzukommen. Gerade in Zeiten knapper Haushalte rechnet der Konzern mit neuen Privatisierungen. Große Hoffnung hegt Fresenius auch für die Biotechsparte: Ein selbst entwickeltes Krebsmedikament ist kurz vor der Zulassung.

Hinter Fresenius steht mit einem Anteil von etwa 60 Prozent die öffentlich wenig bekannte Else-Kröner-Fresenius-Stiftung als Nachfolgerin der Inhaberfamilie, etwa zehn Prozent der Aktien hält die Allianz. Die restlichen Anteile sind im Streubesitz. David C. Lerch

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